Verdacht auf Vergiftungsgefahr in Flugzeugen
Technik
12.08.2010
Die bislang leisen Stimmen werden immer lauter - sehr zum Verdruss der Fluggesellschaften. Diese möchten den Verdacht, die Luft in den Flugzeugkabinen könne giftig sein, nämlich nach wie vor kleinreden.
Zahllose Flugbegleiter und Piloten klagen über schwere Erkrankungen, die sogar mit Berufsunfähigkeit einhergehen können. Der Auslöser für diese Erkrankungen sei den Betroffenen zufolge zweifelsohne die Luft in den Kabinen. Denn diese wird bei modernen Flugzeugen an den Triebwerken gezapft - wobei Öldämpfe oder Schadstoffe wie das Nervengift TCP in die Kabinen gelangen können.
Das ist nachgewiesen. Der einzige, nach wie vor umstrittene Punkt ist die Menge des Giftes in der Luft - von der Tatsache, dass Fluggesellschaften wie die Lufthansa oder Air Berlin rigoros bestreiten, dass es einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen der Mitarbeiter und den Öldämpfen gebe, ganz zu schweigen.
Jetzt allerdings kann NDR Info auf ein vertrauliches Papier des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften (BDF) mit schwerwiegendem Inhalt zurückgreifen: Die deutschen Fluggesellschaften befürchten, dass in der Öffentlichkeit eine heikle Diskussion über das Thema "Vergiftete Kabinenluft" entfacht werden könnte - und das auch noch "vor der Feriensaison".
Jörg Handwerg, der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, hat das Schriftstück gelesen: "Der Eindruck ist, dass hier eine sehr große Angst vorhanden ist, dass sich das negativ aufs Geschäft auswirken kann. Das ist ein Problem, das Tausende von Flugzeugen weltweit betrifft, und man möchte kein Geld ausgeben."
Die Angst vor der Klage
Der Branchenverband des BDF selbst nimmt zu dem Papier keine Stellung - so lässt es Sprecherin Carola Scheffler verlauten. Schließlich handele es sich bei dem Blatt vom 16. Juni 2010 nur um einen "allerersten Entwurf". Allerdings müsse man auch eingestehen, dass diese Befürchtungen nach rund acht Wochen nach wie vor aktuell seien.
Starke Zurückhaltung - die auch mit dem Urteil einhergeht, das im April diesen Jahres von einem australischen Gericht gefällt wurde: Dort wurde einer Stewardess, die infolge der Öldämpfe erkrankte, eine hohe Entschädigung zugesprochen. "Das rechtskräftige Urteil in Australien könnte zum Präzedenzfall werden und somit auch Besatzungsmitglieder bei deutschen Fluggesellschaften zu Klagen 'motivieren'", erklärt der BDF in dem Papier des Branchenverbandes.
Und was ist mit den Passagieren?
Doch damit nicht genug - schließlich könnte von der möglicherweise giftigen Luft nicht nur die Crew betroffen sein. Handwerg: "Das betrifft ganz bestimmt auch Passagiere, denn auch das sind Menschen, die durch diese Giftstoffe beeinflusst werden können. Es gibt ja auch Vielflieger - und manche Menschen haben sogar schon nach einmaligem Einatmen dieser Giftstoffe gesundheitliche Beein-
trächtigungen", erklärt der Sprecher laut der Tagesschau.
Vor ebendieser Gefahr fürchtet sich der BDF besonders - denn sollte es der Fall sein, dass sich "durch die Medien das Thema vom bisherigen Betroffenenkreis Besatzungsmitglieder zum Betroffenenkreis Passagiere verlagern würde", würde eine "in die Richtung abdriftende kontroverse Diskussion zu massivem Reputationsverlust der deutschen Fluggesellschaften führen und vermutlich Passagierrückgänge nach sich ziehen."
Unabhängige Untersuchungen? Nein, danke!
Eine Filterung der Kabinenluft sei "aus technischen Gründen nicht möglich". Dem widerspricht die Vereinigung Cockpit: Es seien bereits Filter entwickelt worden - von denen die Fluggesellschaften jedoch bislang noch nichts wissen wollten.
Nichtsdestotrotz zeigen sich zumindest Air Berlin und Condor verantwortungs-
bewusst und treffen dem Papier zufolge "technische Präventivmaßnahmen". Allerdings auch nur in bedingtem Maße - hatte Condor zwar nach einer ersten Messung Entwarnung gegeben, den vollständigen Untersuchunsbericht aber für sich behalten. Unabhängige Untersuchungen seien eine Bedrohung.
Der Grund dafür liegt für Handwerg klar auf der Hand: "Man möchte das Problem nicht anerkennen, und man möchte deswegen auch nach Möglichkeit keine wirklich unabhängigen Untersuchungen haben. Und das bemängeln wir natürlich. Wir fordern eine unabhängige und umfassende Untersuchung der Kausalkette Kontamination der Luft bis hin zum Krankheitsbild."
(nm)
Die bislang leisen Stimmen werden immer lauter - sehr zum Verdruss der Fluggesellschaften. Diese möchten den Verdacht, die Luft in den Flugzeugkabinen könne giftig sein, nämlich nach wie vor kleinreden.
Zahllose Flugbegleiter und Piloten klagen über schwere Erkrankungen, die sogar mit Berufsunfähigkeit einhergehen können. Der Auslöser für diese Erkrankungen sei den Betroffenen zufolge zweifelsohne die Luft in den Kabinen. Denn diese wird bei modernen Flugzeugen an den Triebwerken gezapft - wobei Öldämpfe oder Schadstoffe wie das Nervengift TCP in die Kabinen gelangen können.
Das ist nachgewiesen. Der einzige, nach wie vor umstrittene Punkt ist die Menge des Giftes in der Luft - von der Tatsache, dass Fluggesellschaften wie die Lufthansa oder Air Berlin rigoros bestreiten, dass es einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen der Mitarbeiter und den Öldämpfen gebe, ganz zu schweigen.
Jetzt allerdings kann NDR Info auf ein vertrauliches Papier des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften (BDF) mit schwerwiegendem Inhalt zurückgreifen: Die deutschen Fluggesellschaften befürchten, dass in der Öffentlichkeit eine heikle Diskussion über das Thema "Vergiftete Kabinenluft" entfacht werden könnte - und das auch noch "vor der Feriensaison".
Jörg Handwerg, der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, hat das Schriftstück gelesen: "Der Eindruck ist, dass hier eine sehr große Angst vorhanden ist, dass sich das negativ aufs Geschäft auswirken kann. Das ist ein Problem, das Tausende von Flugzeugen weltweit betrifft, und man möchte kein Geld ausgeben."
Die Angst vor der Klage
Der Branchenverband des BDF selbst nimmt zu dem Papier keine Stellung - so lässt es Sprecherin Carola Scheffler verlauten. Schließlich handele es sich bei dem Blatt vom 16. Juni 2010 nur um einen "allerersten Entwurf". Allerdings müsse man auch eingestehen, dass diese Befürchtungen nach rund acht Wochen nach wie vor aktuell seien.
Starke Zurückhaltung - die auch mit dem Urteil einhergeht, das im April diesen Jahres von einem australischen Gericht gefällt wurde: Dort wurde einer Stewardess, die infolge der Öldämpfe erkrankte, eine hohe Entschädigung zugesprochen. "Das rechtskräftige Urteil in Australien könnte zum Präzedenzfall werden und somit auch Besatzungsmitglieder bei deutschen Fluggesellschaften zu Klagen 'motivieren'", erklärt der BDF in dem Papier des Branchenverbandes.
Und was ist mit den Passagieren?
Doch damit nicht genug - schließlich könnte von der möglicherweise giftigen Luft nicht nur die Crew betroffen sein. Handwerg: "Das betrifft ganz bestimmt auch Passagiere, denn auch das sind Menschen, die durch diese Giftstoffe beeinflusst werden können. Es gibt ja auch Vielflieger - und manche Menschen haben sogar schon nach einmaligem Einatmen dieser Giftstoffe gesundheitliche Beein-
trächtigungen", erklärt der Sprecher laut der Tagesschau.
Vor ebendieser Gefahr fürchtet sich der BDF besonders - denn sollte es der Fall sein, dass sich "durch die Medien das Thema vom bisherigen Betroffenenkreis Besatzungsmitglieder zum Betroffenenkreis Passagiere verlagern würde", würde eine "in die Richtung abdriftende kontroverse Diskussion zu massivem Reputationsverlust der deutschen Fluggesellschaften führen und vermutlich Passagierrückgänge nach sich ziehen."
Unabhängige Untersuchungen? Nein, danke!
Eine Filterung der Kabinenluft sei "aus technischen Gründen nicht möglich". Dem widerspricht die Vereinigung Cockpit: Es seien bereits Filter entwickelt worden - von denen die Fluggesellschaften jedoch bislang noch nichts wissen wollten.
Nichtsdestotrotz zeigen sich zumindest Air Berlin und Condor verantwortungs-
bewusst und treffen dem Papier zufolge "technische Präventivmaßnahmen". Allerdings auch nur in bedingtem Maße - hatte Condor zwar nach einer ersten Messung Entwarnung gegeben, den vollständigen Untersuchunsbericht aber für sich behalten. Unabhängige Untersuchungen seien eine Bedrohung.
Der Grund dafür liegt für Handwerg klar auf der Hand: "Man möchte das Problem nicht anerkennen, und man möchte deswegen auch nach Möglichkeit keine wirklich unabhängigen Untersuchungen haben. Und das bemängeln wir natürlich. Wir fordern eine unabhängige und umfassende Untersuchung der Kausalkette Kontamination der Luft bis hin zum Krankheitsbild."
(nm)

12.08.2010 19:16
Gast
Mal wieder nen tolles Beispiel wie geldgeil die ganzen großen gesellschaften sind. Selbst die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ist ihnen egal.
Ich wäre dafür, dass sich alle Besatzungsmitglieder Atemschutzmasken aufsetzen(ist ihr gutes Recht, bei nachgewiesenem Gift in der Luft). Dann wollen wir ja mal sehen, wieviele Leute noch gerne fliegen...
Ich wäre dafür, dass sich alle Besatzungsmitglieder Atemschutzmasken aufsetzen(ist ihr gutes Recht, bei nachgewiesenem Gift in der Luft). Dann wollen wir ja mal sehen, wieviele Leute noch gerne fliegen...

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