Ypsilanti gegen Youtube
City- & Szenenews
15.09.2008
Die Politikerin ist auf einen Stimmenimitator hereingefallen, der sich am Telefon als Franz Müntefering ausgab. Die SPD ist sauer und wehrt sich vergeblich gegen die Verbreitung des Gesprächsmitschnitts im Internet.
Wie die Süddeutsche Zeitung heute in ihrer Online-Ausgabe berichtet, ist die hessische Politikerin Andrea Ypsilanti einem Stimmenimitator auf den Leim gegangen. Für den Privatradiosender ffn gab sich Jochen Krause am Telefon als Franz Müntefering aus. Sieben Minuten lang habe die Politikerin mit dem falschen "Münte" gesprochen. Ein Ausschnitt des Gesprächs sei ins Netz geraten und entwickle sich derzeit bei Youtube zum Internet-Hit - sehr zum Ärger von Andrea Ypsilanti und der hessischen SPD.
Unglaubwürdiger "Münte"
Besondere Brisanz hat der Mitschnitt, weil Jochen Krause in der Rolle des Franz Müntefering der Wiesbadener Oppositionsführerin politisch auf den Zahn fühlt und ihr so einige seltsame Formulierungen entlockt. Der falsche "Münte" fragt Ypsilanti, ob sie Roland Koch Hessen überlassen würde, wenn sie selbst einen Spitzenplatz in der SPD bekäme.
Bei Spiegel Online wunderte man sich bereits gestern, dass die hessische Oppositionsführerin auf den Stimmenimitator überhaupt hereingefallen ist. Jochen Krause rolle das R nicht so wie Franz Müntefering, und auch inhaltlich sei er so unglaubwürdig gewesen, dass Frau Ypsilanti eigentlich hätte skeptisch werden müssen. Stefan Schultz von Spiegel Online betont, dass der echte "Münte" wohl kaum solche Äußerungen am Telefon gemacht hätte.
Sofortiges Verbot
Der Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Wiesbadener Landtag, Gert-Uwe Mende, betonte, der Clip sei illegal im Netz und die Inhalte dürften nicht verwendet werden. Ypsilanti selbst habe die Veröffentlichung des Gesprächs untersagt, und sogar der Auftraggeber des Scherzanrufs, ffn, wolle die weitere Verbreitung des Mitschnitts um jeden Preis verhindern. Laut der Online-Ausgabe der Süddeutschen habe die SPD den Radiosender gebeten, den Clip aus dem Internet zu entfernen. Bereits am Sonntag habe die Programmdirektorin des Senders einen Anwalt eingeschaltet, der das Videoportal Youtube aufforderte, den Mitschnitt zu löschen.
Kampf gegen Windmühlen
"Der SPD wird es nicht gelingen, den Clip aus der Welt zu schaffen. Wer mehr wissen möchte, weiß, wo er suchen muss", prognostiziert die Süddeutsche Zeitung und behält Recht: Noch immer findet man den Mitschnitt ohne Probleme auf der bekannten Videoplattform. Die Zahl der Veröffentlichungen erhöhe sich ebenso wie die Zahl der Klicks. Es sei nahezu unmöglich, ein interessantes, im Netz kursierendes Video endgültig zu entfernen.
Zwar bemühe sich Youtube, rechtlich bedenkliche Videos zu löschen, aber gegen das ständig Hochladen des Clips von immer unterschiedlichen Usern ist das Portal so gut wie machtlos. Abgesehen davon betont die Süddeutsche, dass es neben Youtube noch weitere Videoportale gebe. Darüber hinaus bestehe offensichtlich bei vielen Usern ein großes Interesse daran, das Video im Netz zu erhalten. "Keine Zensur bei Youtube" habe in einigen der Ypsilanti-Clips in einer Sprechblase gestanden. Laut Spiegel Online verstecken einige User das Video außerdem geschickt, indem sie es unter "kryptischen Schlagworten" einstellen, sodass es für die Zensur schwer zu finden ist.
Wie immer mit dabei: Die BILD-Zeitung
Auf ein denkwürdiges Detail zur Verbreitungsgeschichte des Clips weist Spiegel Online seine Leser hin: Angeblich habe der Radiosender das Verbot akzeptiert und darauf verzichtet, das Gespräch in seiner Rubrik "Crazyphon" auszustrahlen. Dann jedoch habe die BILD-Zeitung die Geschichte aufgegriffen. BILD wird bekanntlich von der Axel Springer AG verlegt, die wiederum direkt an Radio ffn beteiligt sei.
Auf BILD.de ist inzwischen ein Video-Interview mit dem stolzen Stimmenimitator zu sehen ...
(sh)
Die Politikerin ist auf einen Stimmenimitator hereingefallen, der sich am Telefon als Franz Müntefering ausgab. Die SPD ist sauer und wehrt sich vergeblich gegen die Verbreitung des Gesprächsmitschnitts im Internet.
Wie die Süddeutsche Zeitung heute in ihrer Online-Ausgabe berichtet, ist die hessische Politikerin Andrea Ypsilanti einem Stimmenimitator auf den Leim gegangen. Für den Privatradiosender ffn gab sich Jochen Krause am Telefon als Franz Müntefering aus. Sieben Minuten lang habe die Politikerin mit dem falschen "Münte" gesprochen. Ein Ausschnitt des Gesprächs sei ins Netz geraten und entwickle sich derzeit bei Youtube zum Internet-Hit - sehr zum Ärger von Andrea Ypsilanti und der hessischen SPD.
Unglaubwürdiger "Münte"
Besondere Brisanz hat der Mitschnitt, weil Jochen Krause in der Rolle des Franz Müntefering der Wiesbadener Oppositionsführerin politisch auf den Zahn fühlt und ihr so einige seltsame Formulierungen entlockt. Der falsche "Münte" fragt Ypsilanti, ob sie Roland Koch Hessen überlassen würde, wenn sie selbst einen Spitzenplatz in der SPD bekäme.
Bei Spiegel Online wunderte man sich bereits gestern, dass die hessische Oppositionsführerin auf den Stimmenimitator überhaupt hereingefallen ist. Jochen Krause rolle das R nicht so wie Franz Müntefering, und auch inhaltlich sei er so unglaubwürdig gewesen, dass Frau Ypsilanti eigentlich hätte skeptisch werden müssen. Stefan Schultz von Spiegel Online betont, dass der echte "Münte" wohl kaum solche Äußerungen am Telefon gemacht hätte.
Sofortiges Verbot
Der Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Wiesbadener Landtag, Gert-Uwe Mende, betonte, der Clip sei illegal im Netz und die Inhalte dürften nicht verwendet werden. Ypsilanti selbst habe die Veröffentlichung des Gesprächs untersagt, und sogar der Auftraggeber des Scherzanrufs, ffn, wolle die weitere Verbreitung des Mitschnitts um jeden Preis verhindern. Laut der Online-Ausgabe der Süddeutschen habe die SPD den Radiosender gebeten, den Clip aus dem Internet zu entfernen. Bereits am Sonntag habe die Programmdirektorin des Senders einen Anwalt eingeschaltet, der das Videoportal Youtube aufforderte, den Mitschnitt zu löschen.
Kampf gegen Windmühlen
"Der SPD wird es nicht gelingen, den Clip aus der Welt zu schaffen. Wer mehr wissen möchte, weiß, wo er suchen muss", prognostiziert die Süddeutsche Zeitung und behält Recht: Noch immer findet man den Mitschnitt ohne Probleme auf der bekannten Videoplattform. Die Zahl der Veröffentlichungen erhöhe sich ebenso wie die Zahl der Klicks. Es sei nahezu unmöglich, ein interessantes, im Netz kursierendes Video endgültig zu entfernen.
Zwar bemühe sich Youtube, rechtlich bedenkliche Videos zu löschen, aber gegen das ständig Hochladen des Clips von immer unterschiedlichen Usern ist das Portal so gut wie machtlos. Abgesehen davon betont die Süddeutsche, dass es neben Youtube noch weitere Videoportale gebe. Darüber hinaus bestehe offensichtlich bei vielen Usern ein großes Interesse daran, das Video im Netz zu erhalten. "Keine Zensur bei Youtube" habe in einigen der Ypsilanti-Clips in einer Sprechblase gestanden. Laut Spiegel Online verstecken einige User das Video außerdem geschickt, indem sie es unter "kryptischen Schlagworten" einstellen, sodass es für die Zensur schwer zu finden ist.
Wie immer mit dabei: Die BILD-Zeitung
Auf ein denkwürdiges Detail zur Verbreitungsgeschichte des Clips weist Spiegel Online seine Leser hin: Angeblich habe der Radiosender das Verbot akzeptiert und darauf verzichtet, das Gespräch in seiner Rubrik "Crazyphon" auszustrahlen. Dann jedoch habe die BILD-Zeitung die Geschichte aufgegriffen. BILD wird bekanntlich von der Axel Springer AG verlegt, die wiederum direkt an Radio ffn beteiligt sei.
Auf BILD.de ist inzwischen ein Video-Interview mit dem stolzen Stimmenimitator zu sehen ...
(sh)
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