Spion-Game-Tipp: "Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3"

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03.11.2008

Japan auf dem Weg zur Weltherrschaft. Es stellt riesigen Robotern kleine Schulmädchen zur Seite. Die Russen halten mit kommunistischen Kriegsbären dagegen, die Alliierten schrumpfen per Laserstrahl. Nicht allein die Wahl der Waffen kämpft im neuen Spiel der Reihe gegen allzu ernste Zeitgenossen.

Tim Curry, J.K. Simmons ("Burn After Reading"), Jonathan Pryce ("Fluch der Karibik"), George "Sulu" Takei, das könnte die Besetzung für einen respektablen Hollywood-Streifen sein. Es handelt sich aber um das Ensemble, das EA für die zahlreichen Videosequenzen seiner schrägen Strategie-Gaudi "Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3" engagiert hat.

Trashiger Dreikampf wider den Ernst

Schon nach dem trashigen Intro ist klar: Ernst genommen werden darf hier rein gar nichts - vor allem nicht die Geschichte.
Die wird zum Auftakt kräftig durcheinander gewirbelt, als Albert Einstein von Russen aus der Zukunft aus dem Raum-Zeit-Kontinuum verbannt wird. Die Folge: Die Alliierten sind Jahre später für die Sowjetunion keine allzu große Gefahr mehr.

Dafür macht sich nun das Reich der aufgehenden Sonne daran, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Anders formuliert: Aus dem ewigen Duell zwischen Ost und West ist nun ein Dreikampf geworden.

Zirkuskanonen und Schulmädchen gegen Cryocopter

Das neue Gegengewicht zu den alten Mächten ist ziemlich exotisch ausgefallen.
Die technologievernarrten Japaner setzen auf Mobilität und schnelle Expansion. Ihre Einheiten sind zwar nicht sonderlich stark, dafür aber wandlungsfähig. Auf Knopfdruck werden aus Hubschraubern Mechs, aus U-Booten Jäger. Und wenn gar nichts mehr hilft, schickt das Reich der aufgehenden Sonne riesige Roboter und kleine Schulmädchen mit verheerenden PSI-Kräften die Schlacht.

Nicht minder skurril ist das Arsenal der Russen.
Neben schweren Geschützen fahren die Sowjets zuweilen auch mobile Zirkuskanonen auf, aus denen sie kommunistische Kriegsbären hinter die feindlichen Linien feuern. Selbstredend, dass "Alarmstufe Rot"-Veteranen auch wieder ihre geliebten Zeppeline aussenden und den "Eisernen Vorhang" fallen lassen dürfen.

Im Westen dagegen wenig Neues: Die Alliierten versuchen, mit ihrer gewohnt starken Luftwaffe dagegenzuhalten, und können sich unter anderem über den Cryocopter freuen, der gegnerische Einheiten per Laserstrahl schrumpft.

Konservatives Spielprinzip contra witzige Einfälle

So hanebüchen das alles klingen mag, so gewohnt, ja fast schon konservativ spielt sich "Alarmstufe Rot 3" über weite Strecken.
Meist folgen die Missionen der drei voneinander unabhängigen Kampagnen dem Echtzeit-Strategie-Schema F: Basis aufbauen, Rohstoffe sammeln, aufrüsten, Gegner überrennen. Eskortierungen, Infiltrationen, die Verteidigung eines Gebäudes über eine gewisse Zeit - auch das kennt man zur Genüge.

Umso dankbarer ist man für die wirklich gelungenen Einsätze, die mit abwechslungsreichen Aufgaben, plötzlich erweiterten Gebieten, witzigen Einfällen und dem Einsatz von spektakulär inszenierten, aber nicht übermächtigen Superwaffen überraschen.

So dürfen die Russen beispielsweise ihren Weltraummüll gezielt auf ihre Widersacher kippen, die Alliierten dagegen Zeitbomben über die gesamte Karten beamen ...

Problemfall KI

KI-Commander oder Koop-Modus? Das ist bei "Alarmstufe Rot 3" neuerdings die Frage. In jeder Mission bekommen PC- und Xbox-360-Strategen einen Adjutanten zur Seite gestellt, der entweder von einem Kumpel oder dem Computer gesteuert wird.
Künstliche Intelligenz und "C&C"? Wie zu erwarten ein Problemfall. Trotz vier rudimentärer Befehle agiert der digitale Partner manchmal etwas unglücklich.
Da werden gemeinsam genutzte Rohstoffe in Seestreitkräfte gesteckt, obwohl der Gegner vornehmlich an Land operiert. Und über die unzuverlässige Wegfindung muss man wirklich kein Wort mehr verlieren. Vermutlich ist diese längst ein Markenzeichen der Reihe und wird als solche tunlichst vernachlässigt.

Aber wer sich von "Alarmstufe Rot 3" taktischen Tiefgang erwartet, ist ohnehin fehl am Platz. Das Spiel ist in erster Linie virtuelles Popcorn-Kino mit Strategie-Elementen, was sich nicht zuletzt auch in den ebenso zahlreichen wie schrägen Videosequenzen widerspiegelt.

Popcornkino: Unterforderte Darsteller, oscarverdächtige Effekte

Leider dürfen die Darsteller darin nicht immer so, wie sie können. Besonders deutlich wird das bei J.K. Simmons, der zuletzt im Kino-Hit "Burn After Reading" einen dümmlichen CIA-Bürokraten spielte und hier nun den starrsinnigen US-Präsidenten gibt. Kein Witz: Dazwischen liegen ganze Humorwelten!

Oscarverdächtig sind dafür die spektakulären Licht-, Explosions- und Wassereffekte, die die Schwächen des betagten Grafikgerüsts ebenso gut kaschieren wie die drallen Mädels, die immer wieder bei Lagebesprechungen zu sehen sind.

(teleschau/ddp/pb)
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