Neue Reihe: Ein neuer Umgang mit Sex - Teil 1: 'Sexuelle Verwahrlosung'
City- & Szenenews
26.11.2007
Es steht schlimm um die Sexualität von Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen..
Wer zuckt eigentlich noch bei dem Wort »Ficken« zusammen? Wer wundert sich noch über zur Schau gestellte, entblößte Brüste in Musikvideos oder auf Titelblättern von Zeitschriften? Eines ist unbestreitbar: Sex und Porno sind allgegenwärtig geworden. Ständig wird Sex thematisiert und abgebildet, und selbst wenn man diese Tatsache nicht gutheißt - ernsthaft schockiert ist man immer seltener. Zu sehr sind Bilder nackter Körper in den Medien Alltag geworden; an inflationär gebrauchte Pornovokabeln haben wir uns fast schon gewöhnt.
Mittlerweile werden wir aber Zeugen einer gefährlichen und extremen Entwicklung im Zusammenhang mit Pornographie, die seit diesem Jahr auch von den Medien begleitet wird. Wie Walter Wüllenweber im Stern feststellt, ist die Sorge über eine sich verändernde Sexualmoral nichts Neues. Doch seien es diesmal weder fundamentale Feministen noch prüde Kirchenmänner, die warnen, sondern Lehrer, Sozialpädagogen, Hirnforscher, Sexualwissenschaftler und Beamte in Jugendämtern. Der zunehmende Pornokonsum hat insbesondere auf Kinder und Jugendliche einen desaströsen Einfluss. In letzter Zeit hat der Umgang mit Sexualität gerade bei jungen Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen bedenkliche Formen angenommen.
Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist
Die Pornodebatte zieht sich seit über einem halben Jahr durch die deutsche Medienlandschaft. Zuletzt war Alice Schwarzer mit ihrer Kampagne »PorNO« auf den Anti-Porno-Zug aufgesprungen (Der Spion berichtete). Ausgelöst wurde die Diskussion über die Gefahren zunehmender Pornographisierung aber durch einen Artikel, der im Februar im Stern erschien. Gegen das, was der Autor, Walter Wüllenweber, zu Tage brachte, sind die eingangs genannten Beispiele nur Kleinigkeiten. Unter dem Stichwort »sexuelle Verwahrlosung« berichtete er von jugendlichen Pärchen im Alter von 12-14 Jahren, die sich nie küssen oder Händchen halten, aber ganz selbstverständlich Sex haben. Oft kennen sie bereits in diesem Alter sämtliche sexuellen Praktiken - was Zärtlichkeit und Liebe sind, können sie unterdessen oft nicht mehr nachvollziehen. Mädchen im Alter von 11 Jahren schämen sich, weil sie noch nie Sex hatten; 14-jährige treffen sich am Wochenende zum Gruppensex.
Mit den Kindern Pornos schauen
Wüllenweber lässt in seinem Artikel auch Gabriele Heinemann, Leiterin eines Jugendclubs in Berlin-Neukölln, zu Wort kommen. Diese weiß, dass Kinder aus sozial schwachen Gebieten oft voll mit pornographischen Bildern sind und sie nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Bei vielen dieser Kinder ist die Vorstellung von Sexualität vollkommen von Pornographie geprägt. Aus ihrem Berufsalltag weiß Heinemann viel Schockierendes zu berichten. So lassen Betreuer ungern Mädchen und Jungen ohne Aufsicht in einem Raum, aus Angst, bei ihrer Rückkehr die Jungen mit heruntergelassener Hose und die Mädchen davor knieend zu erwischen. Weiterhin erzählt Wüllenweber von Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern Pornos ansehen und sie sogar hin und wieder beim Sex zuschauen lassen. Zurechtweisung von Seiten der Sozialarbeiter können die Mütter (Väter gibt es meist nicht, stattdessen zahlreiche Liebhaber) oft nicht nachvollziehen. Es sei doch »nur Sex«, etwas völlig Normales also. Die verstörende Wirkung auf ihre Kinder begreifen sie nicht.
Härter und brutaler
Wüllenweber weist darauf hin, dass Kinder vor allem durch Zuschauen und Nachahmen lernen. Da Sexualität bislang etwas Nichtöffentliches war, wurde sie von den Jugendlichen »entdeckt«, nicht »gelernt«. Heutzutage können Kinder aber fast problemlos, z.B. im Internet, anderen Leuten beim Sex zuschauen. Bei den Vorbildern in den Darbietungen handelt es sich aber nicht um zärtliche Liebende, sondern meist um gefühllos agierende Pornodarsteller. Zudem werden die Pornos immer brutaler und härter. »Einen Film, in dem ein Mann und eine Frau einfach nur miteinander schlafen, womöglich gar zärtlich, das kauft heute kein Mensch mehr«, so Wüllenweber. Stattdessen tendieren die Filme von heute dazu, 'Gewalt mit Sex' zu zeigen.
Im nächsten Teil: Soziale Ursachen sexueller Verwahrlosung
Es steht schlimm um die Sexualität von Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen..
Wer zuckt eigentlich noch bei dem Wort »Ficken« zusammen? Wer wundert sich noch über zur Schau gestellte, entblößte Brüste in Musikvideos oder auf Titelblättern von Zeitschriften? Eines ist unbestreitbar: Sex und Porno sind allgegenwärtig geworden. Ständig wird Sex thematisiert und abgebildet, und selbst wenn man diese Tatsache nicht gutheißt - ernsthaft schockiert ist man immer seltener. Zu sehr sind Bilder nackter Körper in den Medien Alltag geworden; an inflationär gebrauchte Pornovokabeln haben wir uns fast schon gewöhnt.
Mittlerweile werden wir aber Zeugen einer gefährlichen und extremen Entwicklung im Zusammenhang mit Pornographie, die seit diesem Jahr auch von den Medien begleitet wird. Wie Walter Wüllenweber im Stern feststellt, ist die Sorge über eine sich verändernde Sexualmoral nichts Neues. Doch seien es diesmal weder fundamentale Feministen noch prüde Kirchenmänner, die warnen, sondern Lehrer, Sozialpädagogen, Hirnforscher, Sexualwissenschaftler und Beamte in Jugendämtern. Der zunehmende Pornokonsum hat insbesondere auf Kinder und Jugendliche einen desaströsen Einfluss. In letzter Zeit hat der Umgang mit Sexualität gerade bei jungen Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen bedenkliche Formen angenommen.
Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist
Die Pornodebatte zieht sich seit über einem halben Jahr durch die deutsche Medienlandschaft. Zuletzt war Alice Schwarzer mit ihrer Kampagne »PorNO« auf den Anti-Porno-Zug aufgesprungen (Der Spion berichtete). Ausgelöst wurde die Diskussion über die Gefahren zunehmender Pornographisierung aber durch einen Artikel, der im Februar im Stern erschien. Gegen das, was der Autor, Walter Wüllenweber, zu Tage brachte, sind die eingangs genannten Beispiele nur Kleinigkeiten. Unter dem Stichwort »sexuelle Verwahrlosung« berichtete er von jugendlichen Pärchen im Alter von 12-14 Jahren, die sich nie küssen oder Händchen halten, aber ganz selbstverständlich Sex haben. Oft kennen sie bereits in diesem Alter sämtliche sexuellen Praktiken - was Zärtlichkeit und Liebe sind, können sie unterdessen oft nicht mehr nachvollziehen. Mädchen im Alter von 11 Jahren schämen sich, weil sie noch nie Sex hatten; 14-jährige treffen sich am Wochenende zum Gruppensex.
Mit den Kindern Pornos schauen
Wüllenweber lässt in seinem Artikel auch Gabriele Heinemann, Leiterin eines Jugendclubs in Berlin-Neukölln, zu Wort kommen. Diese weiß, dass Kinder aus sozial schwachen Gebieten oft voll mit pornographischen Bildern sind und sie nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Bei vielen dieser Kinder ist die Vorstellung von Sexualität vollkommen von Pornographie geprägt. Aus ihrem Berufsalltag weiß Heinemann viel Schockierendes zu berichten. So lassen Betreuer ungern Mädchen und Jungen ohne Aufsicht in einem Raum, aus Angst, bei ihrer Rückkehr die Jungen mit heruntergelassener Hose und die Mädchen davor knieend zu erwischen. Weiterhin erzählt Wüllenweber von Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern Pornos ansehen und sie sogar hin und wieder beim Sex zuschauen lassen. Zurechtweisung von Seiten der Sozialarbeiter können die Mütter (Väter gibt es meist nicht, stattdessen zahlreiche Liebhaber) oft nicht nachvollziehen. Es sei doch »nur Sex«, etwas völlig Normales also. Die verstörende Wirkung auf ihre Kinder begreifen sie nicht.
Härter und brutaler
Wüllenweber weist darauf hin, dass Kinder vor allem durch Zuschauen und Nachahmen lernen. Da Sexualität bislang etwas Nichtöffentliches war, wurde sie von den Jugendlichen »entdeckt«, nicht »gelernt«. Heutzutage können Kinder aber fast problemlos, z.B. im Internet, anderen Leuten beim Sex zuschauen. Bei den Vorbildern in den Darbietungen handelt es sich aber nicht um zärtliche Liebende, sondern meist um gefühllos agierende Pornodarsteller. Zudem werden die Pornos immer brutaler und härter. »Einen Film, in dem ein Mann und eine Frau einfach nur miteinander schlafen, womöglich gar zärtlich, das kauft heute kein Mensch mehr«, so Wüllenweber. Stattdessen tendieren die Filme von heute dazu, 'Gewalt mit Sex' zu zeigen.
Im nächsten Teil: Soziale Ursachen sexueller Verwahrlosung
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