Komatrinken und Drogentote: Suchtbericht 2008 zieht Bilanz

City- & Szenenews

City- & Szenenews
Foto anzeigen
Bis gleich in der Notaufnahme? © Liudmila P. Sundikova, 2008
06.05.2008

Jugendliche trinken sich krankenhausreif, der Durchschnittsdeutsche kippt 10 Liter reinen Alkohol im Jahr. Trotzdem ist der Bericht der Drogenbauftragten nicht nur negativ.

Gute Nachrichten gibt es in Bezug auf das Rauchen. Zwar gehört immer noch ein Drittel der Gesamtbevölkerung Deutschlands zu den regelmäßigen Rauchern, unter den Jugendlichen jedoch ist die Zahl rückläufig. Waren im Jahr 2001 noch 28 % aller Jugendlichen nikotinsüchtig, sind es mittlerweile nur noch 18 %. Ein Lichtblick angesichts der grausamen Konsequenzen des Tabakkonsums: Jährlich sterben bundesweit 140.000 Menschen durch ihr Laster und 3.300 weitere durch Passivrauchen.
Wen wundert's da, dass immerhin 71 % der befragten Deutschen dem Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden positiv gegenüber stehen. Sogar die Hälfte der Raucher gehört laut Drogen- und Suchtbericht 2008 zu den Befürwortern des Verbots.

Volksdroge Alkohol

Bad News dagegen von der Promille-Front: 1,3 Millionen Menschen sind bundesweit alkoholabhängig, immerhin 9,5 Millionen sind gefährdet. Noch schlimmer: Die Zahl der 12- bis 17-Jährigen, die mit akuter Alkoholvergiftung im Krankenhaus gelandet sind, hat sich in kurzer Zeit mehr als verdoppelt - von 9.500 im Jahr 2000 auf 19.500 im Jahr 2006. Diesen Trend bezeichnet die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, als "besonders besorgniserregend", denn die jugendlichen, noch im Wachstum befindlichen Körper sind noch anfälliger für Schäden als die von Erwachsenen.

Das gilt umso mehr für Babys im Mutterleib: Jährlich kommen dem Bericht zufolge 10.000 Kinder zur Welt, die durch den Alkoholkonsum ihrer Mutter schwer geschädigt wurden. Hier besteht laut Bätzing großer Aufklärungsbedarf. Sie begrüßte die Initiative der Spirituosenindustrie, spezielle Warnhinweise auf ihren Etiketten anzubringen.

Alkoholverbot für Fahranfänger

Viel verspricht sich Bätzing auch von einem generellen Alkoholverbot für jugendliche Fahrer unter 21 Jahren und für Fahranfänger in der Probezeit. Der Hintergrund: Jeder vierte Unfall unter Alkoholeinfluss geht auf das Konto junger Fahrer zwischen 18 und 24.

Crack & Co.

Kein Extra-Verbot braucht es bei Drogen wie Kokain, Cannabis, Crack, Heroin und Ecstasy - sie sind bereits illegal. Trotzdem - oder gerade deshalb? - sind sie beliebt, allerdings gehen die Zahlen zurück: Unter den 18- bis 59-Jährigen haben im Jahr 2006 5,4 % mindestens einmal im Jahr illegale Drogen genommen, drei Jahre zuvor waren es noch 7,3 %.

Klarer "Marktführer": Cannabis

Cannabis bleibt dem Bericht zufolge in Deutschland und weltweit die häufigste illegale Droge. Bei den Jugendlichen zeichne sich in diesem Punkt eine erfreuliche Trendwende ab: Nur noch 13 % der 14- bis 17-Jährigen haben 2007 zumindest einmal im Leben Haschisch oder Marihuana probiert (2004 waren es noch 22 %). Dann gibt es wohl bald wieder weniger Schizophrenie durch Cannabis im Jugendalter ...
Gleichbleibend sei jedoch die Zahl der regelmäßigen Konsumenten - unter den 14- bis 17-Jährigen 2-3 %, bei den 18- bis 59-Jährigen 2,2 %. Das entspricht 380.000 Menschen bundesweit, die Cannabis missbrauchen. Bätzing geht dabei von 220.000 Cannabis-Abhängigen aus.

Mehr Drogentote, aber weniger "Anfänger"

Die Zahl der Drogentoten (Tote durch Alkohol, Medikamente und Nikotin werden hier nicht mitgezählt) ist im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 % gestiegen. 2007 verstarben 1.394 Menschen an den Folgen des Konsums illegaler Drogen. 2006 seien es noch 1.296 Menschen gewesen. Eine klare Ursache für diese Entwicklung kann bislang nicht benannt werden, denn noch fehlen die Auswertungsergebnisse der Obduktionen, die noch nicht vorliegen. Vermutlich spiele eine Vielzahl von Gründen eine Rolle, so Sabine Bätzing in ihrem Bericht. Ein Grund könnte das stetig angestiegene Alter der Drogenabhängigen sein.

Dagegen sei die Zahl der erstauffälligen Konsumenten so genannter harter Drogen bereits im dritten Jahr in Folge gesunken (um 4 %). Während die Entwicklungen bei Heroin, Kokain, Ecstasy und Crystal rückläufig waren, ist die Zahl der erstauffälligen Konsumenten von Amphetamin und Crack allerdings angestiegen.
weitere Nachrichten aus der Kategorie „City- & Szenenews“:
Diskriminierung oder lediglich polizeiliche Erfahrung? Weil ihn ein Bundespolizist aufgrund seiner Hautfarbe kontrollierte, erstattete ein dunkelhäutiger Deutscher Anzeige - und verlor. » mehr lesen
In Großbritannien steigt der Absatz erotischer E-Books. Auch in Deutschland könnte das unerkannte Konsumieren erotisch-brisanter Geschichten Schule machen. » mehr lesen
Am 4. August fällt der Startschuss für die nächtliche Laufveranstaltung in Rostock. Der persönliche Startschuss aber kann bereits jetzt abgefeuert werden - was nicht nur sportliche Vorteile birgt. » mehr lesen