Jungs im Abseits
City- & Szenenews
11.03.2009
Das deutsche Bildungssystem benachteiligt Jungs, so lautet die einhellige Expertenmeinung. Wenn nicht eingelenkt werde, wachse eine "Generation männlicher Bildungsversager" heran.
Einen ähnlichen Aufschrei gab es nach Angaben der Zeitung "Welt am Sonntag" schon vor fast 20 Jahren, als Dieter Schnack und Rainer Neutzling ihr Buch "Kleine Helden in Not" auf den Markt brachten: Jungen bleiben im Zuge der Emanzipation und der Verbesserung der Bildungschancen von Frauen auf der Strecke, argumentierten die beiden Autoren. Seither habe es immer wieder Pädagogen gegeben, die sich in Sachbüchern mit der Thematik auseinandergesetzt haben: Titel wie "Die Jungenkatastrophe", "Jungen in der Krise" oder "Kleine Jungs - große Not" hätten auf das Ungleichgewicht in der Förderung von Kindern zu Ungunsten der Jungen hingewiesen.
Verlierer des Bildungssystems
Das neueste Buch zum Thema heißt "Rettet unsere Söhne" und wurde von dem Germanisten Arne Hoffmann vorgelegt. Nach Ansicht Hoffmanns, so die "Welt am Sonntag", kommen die Bedürfnisse von Jungen schon im Kindergarten zu kurz. Insbesondere in der Grundschule fördere das überwiegend weibliche Erziehungspersonal bevorzugt die Mädchen. Die Anliegen der Männer seien im Zuge eines "überbordenden Feminismus" in gefährlichem Maße ignoriert worden, sodass heute Jungen die "Verlierer unseres Bildungssystems" seien.
Schlechtere Leistungen durch fehlende Förderung
Wie die "Welt am Sonntag" weiter berichtet, stützen sich Hoffmann und andere Autoren dabei auf einige Fakten: So bleiben Jungen häufiger sitzen und bilden an Hauptschulen die Mehrheit der Schüler. Deutlich mehr Mädchen machen das Abitur. An Kindergärten sei das Personal zu 98, an Grundschulen zu 90 Prozent weiblich, erst im Gymnasium gebe es fast ebenso viele Lehrer wie Lehrerinnen. Jungen werden diversen Studien zufolge schlecher benotet und leiden häufiger an Lese- und Schreibschwächen.
Gegenmaßnahmen
Lehrerinnen und weibliche Erzieherinnen fördern Jungen nicht optimal, weil sie eher auf weibliche Verhaltensmuster eingehen. Jungen fehle es darüber hinaus an klaren Identifikationsfiguren - daher fordert der Männerforscher Walter Hollstein, dass Erzieherberufe eine gesellschaftliche Aufwertung erfahren und vor allem für Männer wieder attraktiver werden.
Ein Hamburger Schulleiter hat der "Welt am Sonntag" zufolge reagiert, indem er "Jungennachmittage" eingerichtet hat. Bei diesen Nachmittagen stehen ausschließlich die Interessen der Jungen im Vordergrund, damit sie merken, dass es einmal "nur um sie geht". Mädchen seien hier völlig außen vor. An Münchner Schulen gebe es außerdem bereits "Jungenbeauftragte", die nicht nur die Förderung von Jungen in der Praxis sicherstellen, sondern auch darauf achten, dass der Lehrplan "jungentauglich" sei. Auch in Hamburg sollen bald "Jungenbeauftragte" an die Schulen gehen.
Der Spion will Deine Meinung wissen: Glaubst Du, dass Jungen im Bildungssystem benachteiligt werden? Stimm ab!
(sh)
Das deutsche Bildungssystem benachteiligt Jungs, so lautet die einhellige Expertenmeinung. Wenn nicht eingelenkt werde, wachse eine "Generation männlicher Bildungsversager" heran.
Einen ähnlichen Aufschrei gab es nach Angaben der Zeitung "Welt am Sonntag" schon vor fast 20 Jahren, als Dieter Schnack und Rainer Neutzling ihr Buch "Kleine Helden in Not" auf den Markt brachten: Jungen bleiben im Zuge der Emanzipation und der Verbesserung der Bildungschancen von Frauen auf der Strecke, argumentierten die beiden Autoren. Seither habe es immer wieder Pädagogen gegeben, die sich in Sachbüchern mit der Thematik auseinandergesetzt haben: Titel wie "Die Jungenkatastrophe", "Jungen in der Krise" oder "Kleine Jungs - große Not" hätten auf das Ungleichgewicht in der Förderung von Kindern zu Ungunsten der Jungen hingewiesen.
Verlierer des Bildungssystems
Das neueste Buch zum Thema heißt "Rettet unsere Söhne" und wurde von dem Germanisten Arne Hoffmann vorgelegt. Nach Ansicht Hoffmanns, so die "Welt am Sonntag", kommen die Bedürfnisse von Jungen schon im Kindergarten zu kurz. Insbesondere in der Grundschule fördere das überwiegend weibliche Erziehungspersonal bevorzugt die Mädchen. Die Anliegen der Männer seien im Zuge eines "überbordenden Feminismus" in gefährlichem Maße ignoriert worden, sodass heute Jungen die "Verlierer unseres Bildungssystems" seien.
Schlechtere Leistungen durch fehlende Förderung
Wie die "Welt am Sonntag" weiter berichtet, stützen sich Hoffmann und andere Autoren dabei auf einige Fakten: So bleiben Jungen häufiger sitzen und bilden an Hauptschulen die Mehrheit der Schüler. Deutlich mehr Mädchen machen das Abitur. An Kindergärten sei das Personal zu 98, an Grundschulen zu 90 Prozent weiblich, erst im Gymnasium gebe es fast ebenso viele Lehrer wie Lehrerinnen. Jungen werden diversen Studien zufolge schlecher benotet und leiden häufiger an Lese- und Schreibschwächen.
Gegenmaßnahmen
Lehrerinnen und weibliche Erzieherinnen fördern Jungen nicht optimal, weil sie eher auf weibliche Verhaltensmuster eingehen. Jungen fehle es darüber hinaus an klaren Identifikationsfiguren - daher fordert der Männerforscher Walter Hollstein, dass Erzieherberufe eine gesellschaftliche Aufwertung erfahren und vor allem für Männer wieder attraktiver werden.
Ein Hamburger Schulleiter hat der "Welt am Sonntag" zufolge reagiert, indem er "Jungennachmittage" eingerichtet hat. Bei diesen Nachmittagen stehen ausschließlich die Interessen der Jungen im Vordergrund, damit sie merken, dass es einmal "nur um sie geht". Mädchen seien hier völlig außen vor. An Münchner Schulen gebe es außerdem bereits "Jungenbeauftragte", die nicht nur die Förderung von Jungen in der Praxis sicherstellen, sondern auch darauf achten, dass der Lehrplan "jungentauglich" sei. Auch in Hamburg sollen bald "Jungenbeauftragte" an die Schulen gehen.
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(sh)
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