Hetze gegen Nachbarn im Internet
City- & Szenenews
23.07.2008
Ein Internetportal sorgt für Aufregung: Auf rottenneighbor.com können User anonym ihre Nachbarn diffamieren. Dank Google Earth sind die angeblich so miesen Nachbarn identifizierbar, meist, ohne von der Häme zu wissen. Von Rostock über Leipzig bis Wien gibt es bereits zahlreiche Einträge.
Bevor man umzieht, wäre es schön, zu wissen, was einen in der potenziellen Wohngegend erwartet. Manch einer wäre nämlich nicht in seine Wohnung gezogen, hätte er vorher auch nur geahnt, dass der Nachbar mit seinen Kumpels jede Nacht bis 3 Uhr feiert oder dass das Paar unter ihm ständig lautstark streitet. Hier will das Portal rottenneighbor.com Abhilfe schaffen. Die Macher der Seite erklären: "Rottenneighbor.com hilft Ihnen, unangenehme Nachbarn ausfindig zu machen, bevor Sie ihren Kauf- oder Mietvertrag unterschreiben."
Rotes Haus = schrecklicher Nachbar
Seit einem Jahr können User nun schon grüne Häuser für nette Nachbarn und rote Häuser für "rotten neighbors", miese Nachbarn also, auf den von Google bereitgestellten und auf dem amerikanischen Portal integrierten Straßenkarten verteilen. Dazu können sie anonym eine Bemerkung posten und begründen, was an dem jeweiligen Nachbarn oder an der Wohngegend so furchtbar ist.
Mittlerweile findet die Seite auch in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz mehr und mehr Nutzer. Ein interessantes Bild ergibt sich, wenn man möglichst weit aus den Ballungsräumen mit den meisten Einträgen rauszoomt: Die roten Flächen überwiegen klar gegenüber den grünen. Berlin zum Beispiel ist in dieser Ansicht ein einziger roter Fleck.
Berlin: Ein Ort voller schrecklicher Nachbarn ... wirklich?
Hier sollen also besonders viele miese Nachbarn wohnen - aber stammt ein Großteil der Einträge nicht in Wahrheit von Menschen, die aus Bosheit oder aus Spaß gemeine Lügen über ihre Nachbarn verbreiten?
Den Machern müsste doch eigentlich klar gewesen sein, dass ihre Plattform für unfaire Nachbarschaftsstreits missbraucht wird: Zoomt man, zum Beispiel über der Stadt Rostock, wieder rein, wird schnell klar, dass die Kommentare der Denunzianten alles andere als sachlich sind. Im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel findet sich auf rottenneighbor.com eines der ersten roten Häuser der Stadt. Der Kommentar dazu ist so kurz wie böse: "Dumm, fett, faul, erziehungs- und beziehungsunfähig" heißt es dort.
"Hier wohnt ein furchtbarer Mensch."
Und während die meisten öffentlich gedemütigten Menschen noch nicht einmal von der Existenz des Portals wissen, geht die Häme auf rottenneighbor.com munter weiter: In Greifswald wohnt angeblich ein böser T. Krüger (ja, auch Namen werden von einigen Usern preisgegeben), der ein furchtbarer, penetranter und unfreundlicher Mensch sei, von dem man sich fernhalten müsse. In Leipzig tut ein User kund, dass dort, wo er sein rotes Haus platziert hat, eine der depressivsten Frauen wohne, die er kenne. In Wien schließlich wohnen angeblich "zwei stinkige Ekelmenschen, die in der Nase bohren und Popel essen ... echte Arschköpfe".
Verklagen ist zwecklos
Samt Straßennahme und Hauseingang der vermeintlich miesen Nachbarn sind die Beleidigungen für alle Welt sichtbar. Wirklich wehren können sich die Beschuldigten gegen die Einträge kaum: Laut pctipp.ch sagen auch Internetexperten, dass rottenneighbor.com jede Menge Stoff für das Delikt der Ehr- und Datenschutzverletzung berge. Da es sich aber um eine amerikanische Seite handle und die User völlig anonym seien, könne man die Gesetzverstoßer nur schwer ausmachen.
Immerhin: Beleidigende Kommentare kann man melden.
Wenn die Betroffenen die Kommentare über sich selbst finden, macht es wenig Sinn, die Seite zu verklagen. Für von Dritten beigesteuerte Kommentare und Inhalte könne man laut dem englischen Wiki-Beitrag zur Seite die Macher von rottenneighbor.com nicht zur Rechtschaft ziehen. Was fiel der Bloggerin criminologia zu dem Beschwerdeportal für Nachbarn noch gleich ein? Denunziantentum 2.0.
(sh)
Ein Internetportal sorgt für Aufregung: Auf rottenneighbor.com können User anonym ihre Nachbarn diffamieren. Dank Google Earth sind die angeblich so miesen Nachbarn identifizierbar, meist, ohne von der Häme zu wissen. Von Rostock über Leipzig bis Wien gibt es bereits zahlreiche Einträge.
Bevor man umzieht, wäre es schön, zu wissen, was einen in der potenziellen Wohngegend erwartet. Manch einer wäre nämlich nicht in seine Wohnung gezogen, hätte er vorher auch nur geahnt, dass der Nachbar mit seinen Kumpels jede Nacht bis 3 Uhr feiert oder dass das Paar unter ihm ständig lautstark streitet. Hier will das Portal rottenneighbor.com Abhilfe schaffen. Die Macher der Seite erklären: "Rottenneighbor.com hilft Ihnen, unangenehme Nachbarn ausfindig zu machen, bevor Sie ihren Kauf- oder Mietvertrag unterschreiben."
Rotes Haus = schrecklicher Nachbar
Seit einem Jahr können User nun schon grüne Häuser für nette Nachbarn und rote Häuser für "rotten neighbors", miese Nachbarn also, auf den von Google bereitgestellten und auf dem amerikanischen Portal integrierten Straßenkarten verteilen. Dazu können sie anonym eine Bemerkung posten und begründen, was an dem jeweiligen Nachbarn oder an der Wohngegend so furchtbar ist.
Mittlerweile findet die Seite auch in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz mehr und mehr Nutzer. Ein interessantes Bild ergibt sich, wenn man möglichst weit aus den Ballungsräumen mit den meisten Einträgen rauszoomt: Die roten Flächen überwiegen klar gegenüber den grünen. Berlin zum Beispiel ist in dieser Ansicht ein einziger roter Fleck.
Berlin: Ein Ort voller schrecklicher Nachbarn ... wirklich?
Hier sollen also besonders viele miese Nachbarn wohnen - aber stammt ein Großteil der Einträge nicht in Wahrheit von Menschen, die aus Bosheit oder aus Spaß gemeine Lügen über ihre Nachbarn verbreiten?
Den Machern müsste doch eigentlich klar gewesen sein, dass ihre Plattform für unfaire Nachbarschaftsstreits missbraucht wird: Zoomt man, zum Beispiel über der Stadt Rostock, wieder rein, wird schnell klar, dass die Kommentare der Denunzianten alles andere als sachlich sind. Im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel findet sich auf rottenneighbor.com eines der ersten roten Häuser der Stadt. Der Kommentar dazu ist so kurz wie böse: "Dumm, fett, faul, erziehungs- und beziehungsunfähig" heißt es dort.
"Hier wohnt ein furchtbarer Mensch."
Und während die meisten öffentlich gedemütigten Menschen noch nicht einmal von der Existenz des Portals wissen, geht die Häme auf rottenneighbor.com munter weiter: In Greifswald wohnt angeblich ein böser T. Krüger (ja, auch Namen werden von einigen Usern preisgegeben), der ein furchtbarer, penetranter und unfreundlicher Mensch sei, von dem man sich fernhalten müsse. In Leipzig tut ein User kund, dass dort, wo er sein rotes Haus platziert hat, eine der depressivsten Frauen wohne, die er kenne. In Wien schließlich wohnen angeblich "zwei stinkige Ekelmenschen, die in der Nase bohren und Popel essen ... echte Arschköpfe".
Verklagen ist zwecklos
Samt Straßennahme und Hauseingang der vermeintlich miesen Nachbarn sind die Beleidigungen für alle Welt sichtbar. Wirklich wehren können sich die Beschuldigten gegen die Einträge kaum: Laut pctipp.ch sagen auch Internetexperten, dass rottenneighbor.com jede Menge Stoff für das Delikt der Ehr- und Datenschutzverletzung berge. Da es sich aber um eine amerikanische Seite handle und die User völlig anonym seien, könne man die Gesetzverstoßer nur schwer ausmachen.
Immerhin: Beleidigende Kommentare kann man melden.
Wenn die Betroffenen die Kommentare über sich selbst finden, macht es wenig Sinn, die Seite zu verklagen. Für von Dritten beigesteuerte Kommentare und Inhalte könne man laut dem englischen Wiki-Beitrag zur Seite die Macher von rottenneighbor.com nicht zur Rechtschaft ziehen. Was fiel der Bloggerin criminologia zu dem Beschwerdeportal für Nachbarn noch gleich ein? Denunziantentum 2.0.
(sh)
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