Gewalt-Clip von Justice schockt Frankreich - Der Spion hat das Video
City- & Szenenews
13.05.2008
Vorort-Krawalle hautnah liefert das Musikvideo zu "Stress", der neuen Single von Justice. Umstritten? Das wäre untertrieben.
Das House-Duo Justice hätte es sich eigentlich mittlerweile auf seinem Erfolg bequem machen können. Dass Gaspard Augé und Xavier de Rosnay es lieber unbequem wollen, zeigt der Clip zum neuen Track "Stress": 6 Minuten und 45 Sekunden Adrenalin - gegen die Bilder ist der Beat geradezu beruhigend.
Beliebte Frage nach dem Ende der Abspielzeit: Warum machen die weißen Jungs, die mit den Vororten persönlich nicht viel zu tun haben, so ein Video?
Ist das Ganze eine Marketing-Aktion für die 700 € teuren Jacken mit dem Justice-Logo - ein Gerücht, das Spiegel Online weiterträgt? Kommerz mithilfe der tatsächlichen Gewalt, die sich in den Pariser Vororten abspielt?
Oder ist das ein kritischer Beitrag zur Gewaltdebatte, wie in zahlreichen Blogs behauptet wird? Der Tenor hier: Nicht jeder, der solche Musik hört, ist auch gewalttätig. Ein "interessanter" Interpretationsansatz, der vermutlich auch ohne das Video ausgekommen wäre.
Wie immer hilft der Rückgriff auf die Kunst, die ja immer alles darf, und dieser Rückgriff fällt nicht schwer: Die Macher des Videos liefern massig Anspielungen auf Filme von "Clockwork Orange" bis "Mann beißt Hund", die von den Kritikern gern aufgegriffen werden. Das freut natürlich den Filmkenner.
Die Frage ist nur: Sind all jene, die sich das Video derzeit bei youtube herunterladen, sowohl in der Lage als auch in der Stimmung, das Video als Kunst zu betrachten? Gehen sie auch dort mit, wo die Kamera das Geschehen nicht mehr begleitet, sondern stattdessen wie ein Passant angespuckt und zu Boden geschlagen wird? Oder bleibt bei ihnen der Eindruck der Coolness, den die Hauptdarsteller die meiste Zeit über vermitteln?
Bleibt der dokumentarische Ansatz: Sie sehen hier, meine Damen und Herren, Gewalt, wie sie von perspektivlosen Jugendlichen im heutigen Frankreich ausgeht. Erschreckend, aber für nicht wenige: Alltag.
Auch hier, so bemerkt die Zeitschrift SPEX, bleibt die Frage, an wen sich das kunstvoll gemachte Video richtet: An "die Politiker, die an den Pariser Umständen etwas ändern möchten? Oder diejenigen, die in den Vorstadtbewohnern nur Ausländer sehen, die es abzuschieben gilt?" Jeder benutzt das Video eben so, wie er es gerade braucht.
Ein Blogger immerhin kann nicht sofort die Schubladen auf- und zumachen, sondern ist ratlos: "Ehrlich gesagt verstehe ich das Video nicht. Für meinen Geschmack ist es eine Nummer zu derbe ausgefallen. Was meint ihr dazu?"
Ratlosigkeit: Warum nicht? Zurück nach oben.
(ur)
Vorort-Krawalle hautnah liefert das Musikvideo zu "Stress", der neuen Single von Justice. Umstritten? Das wäre untertrieben.
Das House-Duo Justice hätte es sich eigentlich mittlerweile auf seinem Erfolg bequem machen können. Dass Gaspard Augé und Xavier de Rosnay es lieber unbequem wollen, zeigt der Clip zum neuen Track "Stress": 6 Minuten und 45 Sekunden Adrenalin - gegen die Bilder ist der Beat geradezu beruhigend.
Beliebte Frage nach dem Ende der Abspielzeit: Warum machen die weißen Jungs, die mit den Vororten persönlich nicht viel zu tun haben, so ein Video?
Ist das Ganze eine Marketing-Aktion für die 700 € teuren Jacken mit dem Justice-Logo - ein Gerücht, das Spiegel Online weiterträgt? Kommerz mithilfe der tatsächlichen Gewalt, die sich in den Pariser Vororten abspielt?
Oder ist das ein kritischer Beitrag zur Gewaltdebatte, wie in zahlreichen Blogs behauptet wird? Der Tenor hier: Nicht jeder, der solche Musik hört, ist auch gewalttätig. Ein "interessanter" Interpretationsansatz, der vermutlich auch ohne das Video ausgekommen wäre.
Wie immer hilft der Rückgriff auf die Kunst, die ja immer alles darf, und dieser Rückgriff fällt nicht schwer: Die Macher des Videos liefern massig Anspielungen auf Filme von "Clockwork Orange" bis "Mann beißt Hund", die von den Kritikern gern aufgegriffen werden. Das freut natürlich den Filmkenner.
Die Frage ist nur: Sind all jene, die sich das Video derzeit bei youtube herunterladen, sowohl in der Lage als auch in der Stimmung, das Video als Kunst zu betrachten? Gehen sie auch dort mit, wo die Kamera das Geschehen nicht mehr begleitet, sondern stattdessen wie ein Passant angespuckt und zu Boden geschlagen wird? Oder bleibt bei ihnen der Eindruck der Coolness, den die Hauptdarsteller die meiste Zeit über vermitteln?
Bleibt der dokumentarische Ansatz: Sie sehen hier, meine Damen und Herren, Gewalt, wie sie von perspektivlosen Jugendlichen im heutigen Frankreich ausgeht. Erschreckend, aber für nicht wenige: Alltag.
Auch hier, so bemerkt die Zeitschrift SPEX, bleibt die Frage, an wen sich das kunstvoll gemachte Video richtet: An "die Politiker, die an den Pariser Umständen etwas ändern möchten? Oder diejenigen, die in den Vorstadtbewohnern nur Ausländer sehen, die es abzuschieben gilt?" Jeder benutzt das Video eben so, wie er es gerade braucht.
Ein Blogger immerhin kann nicht sofort die Schubladen auf- und zumachen, sondern ist ratlos: "Ehrlich gesagt verstehe ich das Video nicht. Für meinen Geschmack ist es eine Nummer zu derbe ausgefallen. Was meint ihr dazu?"
Ratlosigkeit: Warum nicht? Zurück nach oben.
(ur)
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