Ein neuer Umgang mit Sex - Teil 4: Pornorap von Lady Bitch Ray
City- & Szenenews
14.12.2007
Pornorap von einer Frau – Ja, auch das gibt es schon! Lady Bitch Ray hat diese neue Ära eingeleitet.
Angetreten, um den „Pussy-Style“ nach Deutschland zu bringen und die „vaginale Selbstbestimmung“ zu lobpreisen, mischt Lady Bitch Ray die deutsche Medienlandschaft seit einiger Zeit gehörig auf. Das „Bitch“ in ihrem Künstlernamen liegt einer Umdeutung des Begriffes zugrunde. Eine „Bitch“ ist für die Künstlerin etwas durchweg Positives. Eine stolze und starke Frau nämlich; eine, die weiß, was sie will und die sich genau das auch immer nimmt. Vor allem in sexueller Hinsicht.
Provokation an drei Fronten
Die Bremerin polarisiert nicht nur wegen ihrer Pornotexte und ihrer provokanten Auftritte in der Öffentlichkeit – Lady Bitch Ray, mit bürgerlichem Namen Reyhan Sahin, ist Deutschtürkin der zweiten Generation und wurde nach traditionellen türkischen Werten erzogen. Sie ist zudem Akademikerin und hat an der Universität Bremen einen Magistertitel in Germanistik erworben. Ihre Abschlussarbeit war so herausragend (Note: 1,2), dass sie veröffentlicht, und die Absolventin mit einem Stipendium und einer Doktorandenstelle belohnt wurde. Lady Bitch Ray schreibt derzeit ihre Doktorarbeit - eine Auseinandersetzung mit der „Bedeutung von Kleidung als Zeichen“. Außerdem, und das nur am Rande, beherrscht sie neben Deutsch und Türkisch noch vier weitere Sprachen, und zwar Portugiesisch, Französisch, Englisch und Latein.
Die 27-Jährige bricht also gleich mit mehreren Klischees. Die Verwirrung gelingt; das Konzept ‚Lady Bitch Ray’ geht auf. Ihre Seite beim Netzwerk Myspace ist mittlerweile über eine Million Mal aufgerufen worden. Myspace hat sich bereits zur Zusammenarbeit mit der Rapperin entschlossen. Erst letzte Woche wurde ihre neue Single „Mein Weg“ veröffentlicht. Der Text lautet wie folgt: „Jeder kennt meinen Namen / Ich bin ein Phänomen / Ich spalte Deutschland / Sie sagen ich bin zu extrem / Sie ist zu stark, sie ist zu krass, sie ist zu provokant / sie ist so sexy / und dann auch noch so wortgewandt.“ Schon in ihrem Song „Vorhang auf“ rappt Lady Bitch Ray: „Alle googlen sich kaputt nach mir im Netz“. Gekonnte Selbstreferenz, und ganz Unrecht hat sie damit wohl auch nicht. Ansonsten bewegen sich viele ihrer Texte jedoch in einer anderen Gangart und klingen etwa so: „Na ihr geilen Spanner, mach ich Euch geil auf ficken?“ oder „Wo ich erschein’, stehen Schwänze in Reih’ und Glied.“ Die Kolleginnen Jeanette Biedermann und Sarah Conner bezeichnet sie in ihrem Song „Ich hasse Dich“ unter anderem als "Stinkmöse", "Schleimfotze" oder "Fickflittchen" und beleidigt sie auch sonst in jeder denkbaren, bzw. jeder undenkbaren, Art und Weise.
Gekonntes Medienspiel oder ernstzunehmende Trendsetterin?
Ihren Job bei Radio Bremen hat sie wegen ihrer pornographischen Texte schon vor geraumer Zeit verloren. Ihre Chefin hatte verlangt, dass sie ihre Lyrics aus dem Netz entfernt. Lady Bitch Ray weigerte sich. Kritiker und Fans zerbrechen sich den Kopf über die Frage, ob Reyhan Sahin ein großes, ironisches Medienspiel liefert, mit dem sich viel Geld verdienen lässt, oder ob mehr Ernst hinter ihrer Provokation steckt. Ist sie vielleicht einfach clever genug, um Privates und Geschäftliches sauber zu trennen? Dazu so abgebrüht, dass sie es nicht persönlich nimmt, wenn sie vielerorts (vor allem unter männlichen Deutschtürken) als billige Hure verschrien ist? Oder ist Lady Bitch Ray auch privat die, die sie in der Öffentlichkeit abgibt? Sie selbst sagt, sie habe sich für Radio Bremen einfach nicht verbiegen lassen wollen. Bei ihrem Auftritt in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ vor Kurzem machte sie ebenfalls ganz deutlich, dass sie das, was sie macht, auch fühlt. Auch wollte sie durchaus ernst genommen werden mit ihrem Statement, Frauen seien sexuell noch immer nicht so frei wie Männer und sollten sich endlich nehmen, was sie wollen. Aus ihrem Mund klingt das allerdings so: „Wenn die Möse juckt, holt man sich, was man braucht.“
Lady Bitch Ray ist jedenfalls ein durchaus gelungenes Pendant zu ihren männlichen Rapperkollegen Sido, Bushido und Frauenarzt. Diese bekommen in ihren Texten ihr Fett weg. Sie wehrt sich gegen Frauenverachtung, dreht den Spieß einfach um. Dabei verfährt sie ebenso reduzierend: Bei einer Bühnenshow nach ihrem Geschmack dürften Männer nur als Bodyguards oder Lustknaben auf die Bühne kommen.
Ihre Motive als solche, ihr Kampf für sexuelle Gleichberechtigung, sind im Grunde doch ehrbar. Gern erklärt sie ihren Fans auf ihrer Myspace-Seite, wie sie zu einer selbstbewussten Frau werden. Dafür hat sie zehn "Bitch-Gebote" aufgestellt. Eines davon lautet: „Sei Dir Deiner Stärke bewusst: Stöhn laut beim Ficken, lass Dich nicht einschränken in dem, was Du gerade machen willst“; ein anderes: „Lass Dich nicht vom Arsch durchnehmen, nur um ‚Jungfrau’ zu bleiben“.
Plakativ um jeden Preis
Der Grund, warum Lady Bitch Ray die Gemüter so erhitzt, ist wohl weniger ihr Motiv als vielmehr die Plakativität, die sie bei Allem walten lässt. Ihre Äußerungen über Sex sind immer grell, immer völlig unsubtil. In der Öffentlichkeit lässt sie kaum eine Gelegenheit aus, mit den Wörter ‚Ficken’ und ‚Fotze’ um sich zu schmeißen und auch ansonsten permanente Geilheit zu suggerieren. Sie selbst sagt, plakativ zu sein gehöre nun mal zum Hip Hop dazu. Daher müsse man ihr Auftreten und vor allem ihre Songs grundsätzlich im Rap-Kontext sehen. Fraglich ist nur, ob alle die, die ihre Texte letztlich hören, so kompetent mit Medien umgehen können, dass sie diesem Hinweis nachkommen. Traurig wäre jedenfalls, wenn viele junge Hörer vor lauter Sex nicht hören, was die Künstlerin ansonsten noch zu sagen hat. Einige Songs aus ihrem Repertoire widmen sich nämlich durchaus anderen gesellschaftlichen Problemen. Schade wäre auch, wenn vor lauter „Ficken“ und „Fotze“, verloren geht, dass Lady Bitch Ray ihren weiblichen Fans rät, eben nicht mit 16 loszurennen und mit jedem zu schlafen. Hoffentlich bleibt auch ihr sechstes "Bitch-Gebot" nicht ungehört und unverstanden: „Bring Deine Schule/Ausbildung/Abitur zu Ende, wenn Du kannst, dann studier! Versuche unabhängig zu werden und es zu bleiben. Und tu mir bitte einen Gefallen: Definier dich nicht über einen Typen“.
Beim nächsten Mal: Der erste Sex - immer früher?
Pornorap von einer Frau – Ja, auch das gibt es schon! Lady Bitch Ray hat diese neue Ära eingeleitet.
Angetreten, um den „Pussy-Style“ nach Deutschland zu bringen und die „vaginale Selbstbestimmung“ zu lobpreisen, mischt Lady Bitch Ray die deutsche Medienlandschaft seit einiger Zeit gehörig auf. Das „Bitch“ in ihrem Künstlernamen liegt einer Umdeutung des Begriffes zugrunde. Eine „Bitch“ ist für die Künstlerin etwas durchweg Positives. Eine stolze und starke Frau nämlich; eine, die weiß, was sie will und die sich genau das auch immer nimmt. Vor allem in sexueller Hinsicht.
Provokation an drei Fronten
Die Bremerin polarisiert nicht nur wegen ihrer Pornotexte und ihrer provokanten Auftritte in der Öffentlichkeit – Lady Bitch Ray, mit bürgerlichem Namen Reyhan Sahin, ist Deutschtürkin der zweiten Generation und wurde nach traditionellen türkischen Werten erzogen. Sie ist zudem Akademikerin und hat an der Universität Bremen einen Magistertitel in Germanistik erworben. Ihre Abschlussarbeit war so herausragend (Note: 1,2), dass sie veröffentlicht, und die Absolventin mit einem Stipendium und einer Doktorandenstelle belohnt wurde. Lady Bitch Ray schreibt derzeit ihre Doktorarbeit - eine Auseinandersetzung mit der „Bedeutung von Kleidung als Zeichen“. Außerdem, und das nur am Rande, beherrscht sie neben Deutsch und Türkisch noch vier weitere Sprachen, und zwar Portugiesisch, Französisch, Englisch und Latein.
Die 27-Jährige bricht also gleich mit mehreren Klischees. Die Verwirrung gelingt; das Konzept ‚Lady Bitch Ray’ geht auf. Ihre Seite beim Netzwerk Myspace ist mittlerweile über eine Million Mal aufgerufen worden. Myspace hat sich bereits zur Zusammenarbeit mit der Rapperin entschlossen. Erst letzte Woche wurde ihre neue Single „Mein Weg“ veröffentlicht. Der Text lautet wie folgt: „Jeder kennt meinen Namen / Ich bin ein Phänomen / Ich spalte Deutschland / Sie sagen ich bin zu extrem / Sie ist zu stark, sie ist zu krass, sie ist zu provokant / sie ist so sexy / und dann auch noch so wortgewandt.“ Schon in ihrem Song „Vorhang auf“ rappt Lady Bitch Ray: „Alle googlen sich kaputt nach mir im Netz“. Gekonnte Selbstreferenz, und ganz Unrecht hat sie damit wohl auch nicht. Ansonsten bewegen sich viele ihrer Texte jedoch in einer anderen Gangart und klingen etwa so: „Na ihr geilen Spanner, mach ich Euch geil auf ficken?“ oder „Wo ich erschein’, stehen Schwänze in Reih’ und Glied.“ Die Kolleginnen Jeanette Biedermann und Sarah Conner bezeichnet sie in ihrem Song „Ich hasse Dich“ unter anderem als "Stinkmöse", "Schleimfotze" oder "Fickflittchen" und beleidigt sie auch sonst in jeder denkbaren, bzw. jeder undenkbaren, Art und Weise.
Gekonntes Medienspiel oder ernstzunehmende Trendsetterin?
Ihren Job bei Radio Bremen hat sie wegen ihrer pornographischen Texte schon vor geraumer Zeit verloren. Ihre Chefin hatte verlangt, dass sie ihre Lyrics aus dem Netz entfernt. Lady Bitch Ray weigerte sich. Kritiker und Fans zerbrechen sich den Kopf über die Frage, ob Reyhan Sahin ein großes, ironisches Medienspiel liefert, mit dem sich viel Geld verdienen lässt, oder ob mehr Ernst hinter ihrer Provokation steckt. Ist sie vielleicht einfach clever genug, um Privates und Geschäftliches sauber zu trennen? Dazu so abgebrüht, dass sie es nicht persönlich nimmt, wenn sie vielerorts (vor allem unter männlichen Deutschtürken) als billige Hure verschrien ist? Oder ist Lady Bitch Ray auch privat die, die sie in der Öffentlichkeit abgibt? Sie selbst sagt, sie habe sich für Radio Bremen einfach nicht verbiegen lassen wollen. Bei ihrem Auftritt in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ vor Kurzem machte sie ebenfalls ganz deutlich, dass sie das, was sie macht, auch fühlt. Auch wollte sie durchaus ernst genommen werden mit ihrem Statement, Frauen seien sexuell noch immer nicht so frei wie Männer und sollten sich endlich nehmen, was sie wollen. Aus ihrem Mund klingt das allerdings so: „Wenn die Möse juckt, holt man sich, was man braucht.“
Lady Bitch Ray ist jedenfalls ein durchaus gelungenes Pendant zu ihren männlichen Rapperkollegen Sido, Bushido und Frauenarzt. Diese bekommen in ihren Texten ihr Fett weg. Sie wehrt sich gegen Frauenverachtung, dreht den Spieß einfach um. Dabei verfährt sie ebenso reduzierend: Bei einer Bühnenshow nach ihrem Geschmack dürften Männer nur als Bodyguards oder Lustknaben auf die Bühne kommen.
Ihre Motive als solche, ihr Kampf für sexuelle Gleichberechtigung, sind im Grunde doch ehrbar. Gern erklärt sie ihren Fans auf ihrer Myspace-Seite, wie sie zu einer selbstbewussten Frau werden. Dafür hat sie zehn "Bitch-Gebote" aufgestellt. Eines davon lautet: „Sei Dir Deiner Stärke bewusst: Stöhn laut beim Ficken, lass Dich nicht einschränken in dem, was Du gerade machen willst“; ein anderes: „Lass Dich nicht vom Arsch durchnehmen, nur um ‚Jungfrau’ zu bleiben“.
Plakativ um jeden Preis
Der Grund, warum Lady Bitch Ray die Gemüter so erhitzt, ist wohl weniger ihr Motiv als vielmehr die Plakativität, die sie bei Allem walten lässt. Ihre Äußerungen über Sex sind immer grell, immer völlig unsubtil. In der Öffentlichkeit lässt sie kaum eine Gelegenheit aus, mit den Wörter ‚Ficken’ und ‚Fotze’ um sich zu schmeißen und auch ansonsten permanente Geilheit zu suggerieren. Sie selbst sagt, plakativ zu sein gehöre nun mal zum Hip Hop dazu. Daher müsse man ihr Auftreten und vor allem ihre Songs grundsätzlich im Rap-Kontext sehen. Fraglich ist nur, ob alle die, die ihre Texte letztlich hören, so kompetent mit Medien umgehen können, dass sie diesem Hinweis nachkommen. Traurig wäre jedenfalls, wenn viele junge Hörer vor lauter Sex nicht hören, was die Künstlerin ansonsten noch zu sagen hat. Einige Songs aus ihrem Repertoire widmen sich nämlich durchaus anderen gesellschaftlichen Problemen. Schade wäre auch, wenn vor lauter „Ficken“ und „Fotze“, verloren geht, dass Lady Bitch Ray ihren weiblichen Fans rät, eben nicht mit 16 loszurennen und mit jedem zu schlafen. Hoffentlich bleibt auch ihr sechstes "Bitch-Gebot" nicht ungehört und unverstanden: „Bring Deine Schule/Ausbildung/Abitur zu Ende, wenn Du kannst, dann studier! Versuche unabhängig zu werden und es zu bleiben. Und tu mir bitte einen Gefallen: Definier dich nicht über einen Typen“.
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