Die aktuelle Debatte um die Jugendgewalt

City- & Szenenews

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03.01.2008



Kurz vor Weihnachten hatten in München ein 20-jähriger Türke und ein 17 Jahre alter Grieche einen 76-Jährigen in einer U-Bahn-Station brutal zusammengeschlagen. Der Rentner hatte die beiden Täter zuvor gebeten, in der U-Bahn ihre Zigaretten auszumachen. Wenig später attackierten sie den Mann unter den Augen einer Überwachungskamera. Die Videobilder schockierten die Republik. In den folgenden Tagen häuften sich in der sensibilisierten Presse Berichte über weitere vergleichbare Gewalttaten in anderen Großstädten.

Mittlerweile ist durch die Münchener Ereignisse in der deutschen Öffentlichkeit eine Debatte über Jugendgewalt entbrannt. Einige Politiker überbieten sich mit Forderungen nach harten Strafen. Allen voran ist dabei Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Dieser suchte noch bis vor kurzem händeringend nach einem Thema für den Landtagswahlkampf 2008. Seine Forderungen nach härteren Strafen für jugendliche Gewalttäter sind, so scheint es, nun endlich das geeignete Thema mit dem Koch von der miserablen Bildungspolitik der CDU in Hessen ablenken kann und wieder selbst in die Offensive gelangt. Der CDU Landesvater kommentierte die Ereignisse von München und befeuerte so eine politische Debatte über die Bewertung des Problems der Jugendgewalt.

Experten stellen in dieser zwei zentrale Ergebnisse der aktuellen kriminologischen Forschung heraus. Das erste ist, dass die Körperverletzungen deutlich zu genommen haben. Sie erklären dies mit einer erhöhten Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger die tatsächlich stattgefundenen Gewalttaten auch polizeilich anzuzeigen.
Das zweite Ergebnis aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen ist, dass es einen höheren Anteil an jugendlichen Straftätern mit einem migrantischen Hintergrund gibt.

Ist die Gewalt nur ein Problem migrantischer Jugendlicher?

Susanne Gaschke schrieb dazu in der Zeit : „Wie unsere original deutschstämmigen Schläger, Räuber und Erpresser sind die Serkans und Mehmets Produkte dieser Gesellschaft.“ Auch sie sind durch das deutsche Bildungssystem gegangen und haben die deutschen Jugendhilfeangebote und das deutsche Jugendgerichtswesen durchlaufen. Für Gaschke steht fest: die Jugendkriminalität ist kein Ausländer- sondern ein Unterschichtproblem. Das heißt das Problem der Gewalt ist auf soziale Ursachen zurückzuführen.

Der Hannoveraner Kriminologe Christian Pfeiffer hält nichts von den Forderungen nach härteren Strafen. Für ihn ist klar, dass die Straftaten eine Vorgeschichte haben und an der gilt es anzusetzen. Auch der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte http://www.spiegel.de/politik...1518,526271,00.html "> auf Spiegel Online die politische Debatte. Das Problem einer zunehmenden Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen kann nicht in Wahlkämpfen, sondern muss in den Jahren davor gelöst werden so GdP-Chef Konrad Freiberg.

Solche Mahnungen mit dem wichtigen Thema der Gewalt unter Jugendlichen nicht leichtfertig Wahlkampf zu betreiben, sondern nach den Ursachen zu fragen, nannte Koch gegenüber der Bild Zeitung Lebenslügen, mit denen er Schluss machen will. Dass durch den von ihm geforderten harten Kurs nichts an den sozialen Ursachen der Jugendgewalt verändert wird, dürfte dem CDU Politiker klar sein. Doch bereits in der Vergangenheit war es dem Politiker gelungen mit harten Sprüchen und ausländerfeindlichen Klischees erfolgreich Wahlkampf zu betreiben.

Auf einen weiteren wichtigen Aspekt in der aktuellen Debatte wies Ole Reissman http://www.taz.de/1/leben/all...AR&cHash=0f8958b41d "> in der TAZ hin. Die Brutalität des Münchener Überfalls erzeugte eine besondere Aufmerksamkeit der überregionalen Medien. Diese berichten, so Reissman, „nun eifrig über jeden noch so kleinen Vorfall.“ Er betont, dass Gewalt in der U-Bahn sehr wohl vorkommt, betont aber dass die Fallzahlen eher gering sind.

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