Bildungssparen in Schleswig-Holstein

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© Janina Dierks
29.05.2010

Ein Schuldenberg von 1,25 Milliarden Euro im Jahr: Schleswig-Holstein muss sparen. Dafür hat das Bundesland einen rigorosen Sparplan verfasst - angefangen bei den Kindertagesstätten, bis hin zum Medizinstudium an der Uni Lübeck, das ersatzlos gestrichen werden soll.

"Das Ende der Universität Lübeck" - so schallt es bereits aus allen Ecken des Landes.

Schleswig-Holstein leidet unter großer Finanznot. Die schwarz-gelbe Landesregierung glaubt, die perfekte Lösung für das Problem gefunden zu haben: Das Medizinstudium wird gestrichen, die Uni-Kliniken werden an Investoren verkauft.

Ein Plan, der horrende Folgen nach sich zieht - schließlich erlernen zur Zeit 1500 Ärzte und 1100 Molekular-Biologen, Medizin-Informatiker sowie Medizin-Techniker an der Lübecker Universität ihr Handwerk. Noch. Denn schon ab dem Wintersemester 2011/2010 sollen keine neuen Studenten mehr für das Studium der Medizin zugelassen werden. Die so genannten "Empfehlungen zur Konsolidierung der Finanzen des Landes Schleswig-Holstein", die von der CDU-FDP-Haushaltskommission verabschiedet wurden, sehen etwas anderes vor: Man werde das Studium einfach nach Kiel verlegen.

Davon sind letzten Endes nicht nur die Medizinstudenten, sondern auch Studenten der technischen und naturwissenschaftlichen Fächer betroffen. Denn: "Ein Ende der Medizinerausbildung würde auch das Ende der international renommierten Hochschule bedeuten", wie Christoph Andreas Leicht, der Präsident der Lübecker Industrie- und Handelskammer, dem Spiegel erklärt. Neben den Studenten trifft die rigorose Sparmaßnahme schließlich auch die Angestellten. Die Uni-Klinik Schleswig-Holstein beschäftigt 11.000 Mitarbeiter und weitere 5000 Angestellte am Lübecker Campus - Stellen, die höchstwahrscheinlich wegfallen.

50 EUR Schulden pro Sekunde

Fest steht nur, dass Schleswig-Holstein sparen muss. Wie die Regierungskoalition und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ausmachten, bestehe derzeit ein strukturelles Defizit von 1,25 Milliarden EUR im Jahr. Ein Fass ohne Boden, wie Dirk Hundertmark, Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, erklärt: "Das Land hat bei einem Jahresbudget von knapp neun Milliarden EUR 25 Milliarden Schulden und macht pro Sekunde 50 EUR neue Schulden."

Damit nicht genug, erschwert der derzeitige Skandal um die HSH Nordbank die Situation: Die Bank, die im Besitz von Schleswig-Holstein und Hamburg ist, hat sich in der Finanzkrise verkalkuliert und bedarf nun Bürgschaften in Milliardenhöhe. Ein immenser Schuldenberg, von dem ab kommendem Jahr 125 Mio EUR jährlich abgebaut werden sollen - und dieses Geld nimmt man sich von der Universität Lübeck.

Und warum ausgerechnet die Uni?

Streicht er die Uni, so kann Carstensen zwei schwerwiegende Probleme lösen: Zum Einen spart er in Zukunft viel Geld, zum Anderen nimmt er eine gehörige Summe ein, wenn er, wie geplant, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) mit den Kliniken in Kiel und Lübeck meistbietend verkauft.

Schließlich ist es undenkbar teuer, eine solche Universitätsklinik zu unterhalten: Kein Studium ist so teuer wie das der Medizin, wo ein Studienplatz nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 211.000 EUR kostet - eine beachtliche Summe, wenn man bedenkt, dass sich allein im letzten Jahr 200 neue Medizinstudenten in Lübeck eingefunden haben. Mit dem Verkauf des Universitätsklinikums würde Schleswig-Holstein somit satte 40 Mio EUR sparen. Doch da den Studenten, die bereits in Lübeck studieren, das Studium bis zum Schluss gewährt werden muss, rechnet das Land erst ab 2015 mit rund 25 Mio Euro Einsparungen und insgesamt mit einem Sparvolumen von 150 Mio bis 2020.

Darüber hinaus gelten die Kliniken in Lübeck und Kiel bereits seit langer Zeit als marode. Eine Sanierung wäre dringend notwendig - und würde rund 700 Mio EUR kosten.

Derart harte Sparmaßnahmen bleiben natürlich nicht unkommentiert. Bereits zu Beginn dieser Woche protestierten 1500 Studenten und Angestellte auf den Straßen Lübecks. An ihrer Seite: Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der dem Sparplan den Kampf ansagte und einen Krisenstab zu gründen gedenkt. "Wir geben nicht auf, sondern wir fangen jetzt erst an!"

3650 Lehrstellen weniger

Die Universität Flensburg, die bis zuletzt Erziehungswissenschaften, Sprachen und Management lehrte, musste bereits Federn lassen: Die Hochschule wurde zur Lehrer-Uni degradiert, ab dem Wintersemester 2011/2012 werden keine neuen Studenten mehr aufgenommen.

Auch die Schulen kommen nicht an den radikalen Sparmaßnahmen vorbei. Im nächsten Sommer werden 300 Lehrestellen gestrichen, weitere 300 folgen im Sommer 2012. Dadurch fallen bis zum Jahr 2020 satte 3650 Lehrstellen weg. Eine einzige Ausnahme macht Schwarz-Gelb in den Kieler Gymnasien: Im kommenden Schuljahr gibt es dort 180 Lehrerstellen mehr.

Selbst bei Kindertagesstätten macht die Landesregierung nicht Halt. Zum 1. August wird das beitragsfreie letzte Kita-Jahr gestrichen, und bis zum Jahr 2020 werden auch hier 5300 Stellen abgebaut. Von weiteren Kürzungen in Sachen Wirtschaftsförderung, Kultur und Straßenbau sowie Landwirtschaft ganz zu schweigen.

Verschulden verboten

Ein irrsinniger Plan - der so gut wie beschlossene Sache ist. Schon am Dienstag haben CDU und FDP den Maßnahmen zugestimmt, am Mittwoch gab auch das Kabinett grünes Licht. Für Carstensen ist das rigorose Streichen nichts als eine "zutiefst moralische Pflicht", der er nachkommen muss, denn: Nach dem Landesverfassungsgericht darf das hoch verschuldete Bundesland ab 2020 keine neuen Schulden mehr machen.

"Wir werden die Neuverschuldung stoppen", so Carstensen. Die Universität Lübeck sieht das anders: Um zu sparen, werde eine "bundesweit in Forschung und Lehre hervorragend aufgestellte Universität geopfert", wie die Einrichtung in einer Pressemitteilung verlauten ließ.

(nm)
15
Kommentare insgesamt

29.05.2010 15:47
Gast
3650 Lehrstellen weniger

Wenn ich sowas schon lese ... Die sollen mal bei sich selber, den Politiker anfangen! Die bekommen für NICHTS zich tausend Euro in den allerwertesten geschoben, fahren mit sonst was für riesen Schlitten durch die Gegend und brauch was weiß ich für einen Staatsschutz, abschaffen! Die Politiker sollen mal ruhig dem Volk überlassen werden, ist vielleicht auch langsam besser so ...

29.05.2010 16:05
Gast
@ Steffen Hoffmann, da schließe ich mich glatt deiner Meinung an.

Andy E.
29.05.2010 23:46
reg. Mitglied
wenn ich mich mit einer firma verplane, dann muss ich sie schließen, warum werden die banken immer noch mit miliardenkrediten gestützt. das ist irrsinn diese ganze spekuliererei.

Maik13
30.05.2010 10:52
reg. Mitglied
Finde es langsam echt albern,oben wird mist gebaut und die Leute unten die hart arbeiten müssen den wird es zu lasst gelegt.Vorher überlegen wo das Geld hin geht und nicht einfach für blödsinn raus werfen,wie zum beispiel die brücke an der Untertrave(Lübeck)oder die neuen Blitzeranlagen(eine reicht ja nicht,nein da müssen gleich 5 oder sechs hin ineiner Strasse.Milliarden von Euros werden im Jahr in die anderen Länder gesteckt,aber die Politiker Jammern rum kein Geld da.????? merkt ihr was,wo ist der Fehler??? Mittlerweile könnte man auch dazu sagen moderne Sklaverei.

Gi N.
30.05.2010 12:40
reg. Mitglied
haha die wichser-.- wenn sie der bildung den hahn abdrehen, geben sie rechts und linksextremisten das ruder stück für stück in die hand, und b) vertreiben sie die jugend aus der stadt. wohnungen werden leer, es wird weniger geld in der stadt ausgegeben und schon leiden wieder alle dran. studiengebühr und scheiß bedingungen für studenten...und wenn die diese feritg sind und arbeiten, dürfen sie alle fett steuern zahlen...und wofür? vlt für die schliessung von unis?
schwarz gelb hurra

Maik13
30.05.2010 12:59
reg. Mitglied
Tja das ist das wieder mal,Lügen über Lügen. Ich denke die Schulbildung für Kinder und Jugendliche steht an erster stelle? wo denn? Die Geld haben bekommen immer mehr,aber die dafür schwer Arbeiten müssen und es gerade mal so schafen über die Runden zu kommen,wird das Leben immer schwerer gemacht.Bald haben wir das so,dass alle nen zweit Job haben müssen um überhaupt noch normal leben zu können. Da wären wir im zweite Klassensystem. Reich und Arm. Moderne Sklaverei

30.05.2010 15:41
Gast
Naja, langsam bekommen die jetzigen Generationen zu spüren was die vorherigen (in bestem Unwissen) verjubelt haben. Da werden solche Sachen wie in Schleswig-Holstein noch die harmlosen sein. Aber was will man erwarten von Leuten die Dorfteiche beleuchten, Kirchen die ganze Nacht bestrahlen, Abwrackprämien als Umweltschutz bezeichnen, usw....
Den Job des heutigen Politikers möchte ich aber (trotz der Gehälter) auch nicht haben, die müssen den Leuten das wegnehmen was die Generation 40+ verjubelt hat (und immer noch tut) und dann auch noch den Kopf dafür hinhalten.
Traurig für den im Artikel beschriebenen Unistandort, aber wohl eher etwas was bald überall anzutreffen sein wird. Und viel gespart werden wird dadurch wohl auch nicht, da über Länderausgleiche dann die Studenten und Studienplätze halt nur aus einem anderen Topf woanders hin bezahlt werden.

30.05.2010 15:48
Gast
sollen doch die Leute die Schulden außbadeb die das Versemmelt haben und nicht rechnen und kalkulieren können.
Haben die überhaupt eine Ahnung was Sie damit Lübeck antuhen. Das sind doch alles Idioten und immer muss der kleine Mann ( sowoe Frau) das wieder ausbaden.
Das sollen mal ruhig die Politiker und unser Bürgermeister machen die haben doch schuld an dieser ganzen miesere.

30.05.2010 15:55
Gast
Schuld sind die die sie gewählt haben (bzw. die die die Schulden in den letzten 40 jahren gemacht haben). Auch die die durch nichtwählen gewählt haben. Und die dürften auch einen Großteil der Sache ausbaden, glaube mir... (siehe Rentenkürzungen und Altersarmut)

30.05.2010 16:00
Gast
Das Problem an der Sache, keiner tut etwas. Dem Großteil der Bevölkerung scheint es wohl noch zu gut zu gehen. Bald werden die 25 % Mwst kommen und selbst dann wird man es hin nehmen wie es ist, warum? Damals 89 hat das kleine Völckchen im Osten auch Zusammenhalt gezeigt, ein gemeinsames Ziel und die hatten Erfolg damals! Nicht zu vergessen wäre da noch das baldige Programm der Kasernenschließung - Wieder mehr arbeitslose. Ich glaube es wird einfach nur am falschen Platz gespart. Aber, lach, sehen wir es doch mal ein, kein Sparpaket der Welt wird unsere Schuldenuhr wieder zurückdrehen können - A Never Ending Dream ! -
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