Linkshändigkeit - Bonus oder Bürde?
Kolumne
14.08.2009
Der vergangene Donnerstag war der Internationale Tag der Linkshänder. Haben Menschen, deren linke Hand die dominante ist, heute noch mit Nachteilen zu kämpfen? Eine waschechte Linkshänderin hat mal drüber nachgedacht.
In den vielen Artikeln, die am Donnerstag zum Thema Linkshändigkeit erschienen, fehlte sie selten, die obligatorische Liste von berühmten Linkshändern: Napoleon, Beethoven, Mozart, Einstein, Alexander der Große, Goethe, Kurt Cobain, Leonardo DaVinci, Karl Lagerfeld, Marylin Monroe, Charlie Chaplin, Bill Clinton, Tom Cruise, Barack Obama, Julia Roberts, Jimi Hendrix, Oprah Winfrey - und selbst Brangelina sollen Linkshänder sein.
Vermeintlich kreative, intelligentere Minderheit
An der Verbindlichkeit solcher Listen darf man zweifeln. Nicht bei allen Persönlichkeiten lässt sich belegen, dass sie tatsächlich Linkshänder waren. Und selbst wenn - können derartige Listen tatsächlich beweisen, dass Linkshänder, wie oft angenommen, kreativer oder sogar intelligenter sind als Rechtshänder? Ich finde nicht. Eine Auflistung berühmter Rechtshändern aus Politik, Geschichte, Wissenschaft, Kunst und Unterhaltung wäre ganz sicher nicht minder lang. Nur gehören sie eben keiner Minderheit an (Linkshänder machen Statistiken zufolge etwa 10 bis 15 Prozent der Gesellschaft aus).
Durchaus aber halte ich es für möglich, dass Linkshänder in bestimmten Bereichen stärker sind. Während bei Rechtshändern die linke Gehirnhälfte aktiv ist, die auf logisches Denken und Detailwahrnehmung spezialisiert ist und in der zudem das Sprachzentrum sitzt, ist bei Linkshändern die rechte Gehirnhälfte aktiv - und diese ist für Kreativität und ganzheitliches, intuitives Denken, Emotionen und Fantasie verantwortlich.
Aber sind Linkshänder deshalb gleich kreativer und intelligenter? Ich für meinen Teil kann nicht einmal einen Apfel zeichnen, hatte in Kunst immer die schlechteste Note, dasselbe Spiel in Mathe. Eine hoffnungslose Zahlenniete, immer gewesen. Musikalisch, ja, das bin ich. Auch sprachbegabt - wobei das wiederum im Gegensatz zur Gehirnhälftenaktivität steht, sitzt doch das Sprachzentrum eigentlich in der den Rechtshändern vorbehaltenen.
Hungrig vor der Konservendose?
Wenn ich also diese Frage nicht genau zu beantworten weiß, so kann ich immerhin eines klar und deutlich sagen: Unter den ach so vielen Alltagsproblemen, mit denen Linkshänder sich angeblich so herumschlagen (Stichwort Dosenöffner, Füller, Schere), leide ich nicht einmal annähernd in dem Maße, wie es sich die meisten vorstellen. Abgesehen von den oft zu kurzen Strippen, an denen Kugelschreiber auf Ämtern hängen, habe ich weder mit Stiften noch mit anderen Gerätschaften besondere Probleme. Am Dosenöffner drehe ich eben auch mit rechts und mein Schriftbild ist - vorausgesetzt, ich habe Zeit und Muße - selbst mit Füller leserlich und gleichmäßig. Linkshänderfüller halte ich für Quatsch, wobei ich nicht für andere Linkshänder sprechen kann, die den Stift womöglich anders übers Blatt bewegen.
Linkspoot und glücklich dabei
Glücklicherweise ernte ich, wenn ich beim Schreiben beobachtet werde, eher staunende Blicke und Kommentare. An echte Diskriminierung kann ich mich nicht erinnern. Während man meiner Oma - ebenfalls Linkshänderin - in der Schule noch die linke Hand am Stuhl festband und sie zur Rechtsschreiberin umerzog, ließ man mich gewähren und nach einigen Tests auch in Ruhe. Ich weiß noch, dass ich bei einer Ärztin Ringe auf eine Stange werfen und zeigen musste, wie ich malte.
In der Schule schaute die Lehrerin genauer nach, wie ich mich beim Schönschreiben so machte. Besonders schlecht fiel ich dabei offenbar nicht auf, und irgendwann konnte ich auch meine Mutter davon überzeugen, dass ich mit jedem x-beliebigen Stift ebenso gut wie mit einem Linkshänderfüller zurecht komme.
Mit links austricksen
Dass das Linkspootsein auch Vorteile mit sich bringt, merkte ich vor allem, als ich begann, Volleyball zu spielen. Sehr zur Freude meines eigenen und zum Ärger des gegnerischen Teams konnte ich den einen oder anderen Ball oft an anderer Stelle platzieren als es eine rechtshändige Spielerin vielleicht getan hätte.
Alles in allem hat mich meine Linkshändigkeit nie eingeschränkt - jedenfalls so wenig, dass ich am Internationalen Tag der Linkshänder seit Langem überhaupt erst einmal wieder daran erinnert wurde.
(sh)
Der vergangene Donnerstag war der Internationale Tag der Linkshänder. Haben Menschen, deren linke Hand die dominante ist, heute noch mit Nachteilen zu kämpfen? Eine waschechte Linkshänderin hat mal drüber nachgedacht.
In den vielen Artikeln, die am Donnerstag zum Thema Linkshändigkeit erschienen, fehlte sie selten, die obligatorische Liste von berühmten Linkshändern: Napoleon, Beethoven, Mozart, Einstein, Alexander der Große, Goethe, Kurt Cobain, Leonardo DaVinci, Karl Lagerfeld, Marylin Monroe, Charlie Chaplin, Bill Clinton, Tom Cruise, Barack Obama, Julia Roberts, Jimi Hendrix, Oprah Winfrey - und selbst Brangelina sollen Linkshänder sein.
Vermeintlich kreative, intelligentere Minderheit
An der Verbindlichkeit solcher Listen darf man zweifeln. Nicht bei allen Persönlichkeiten lässt sich belegen, dass sie tatsächlich Linkshänder waren. Und selbst wenn - können derartige Listen tatsächlich beweisen, dass Linkshänder, wie oft angenommen, kreativer oder sogar intelligenter sind als Rechtshänder? Ich finde nicht. Eine Auflistung berühmter Rechtshändern aus Politik, Geschichte, Wissenschaft, Kunst und Unterhaltung wäre ganz sicher nicht minder lang. Nur gehören sie eben keiner Minderheit an (Linkshänder machen Statistiken zufolge etwa 10 bis 15 Prozent der Gesellschaft aus).
Durchaus aber halte ich es für möglich, dass Linkshänder in bestimmten Bereichen stärker sind. Während bei Rechtshändern die linke Gehirnhälfte aktiv ist, die auf logisches Denken und Detailwahrnehmung spezialisiert ist und in der zudem das Sprachzentrum sitzt, ist bei Linkshändern die rechte Gehirnhälfte aktiv - und diese ist für Kreativität und ganzheitliches, intuitives Denken, Emotionen und Fantasie verantwortlich.
Aber sind Linkshänder deshalb gleich kreativer und intelligenter? Ich für meinen Teil kann nicht einmal einen Apfel zeichnen, hatte in Kunst immer die schlechteste Note, dasselbe Spiel in Mathe. Eine hoffnungslose Zahlenniete, immer gewesen. Musikalisch, ja, das bin ich. Auch sprachbegabt - wobei das wiederum im Gegensatz zur Gehirnhälftenaktivität steht, sitzt doch das Sprachzentrum eigentlich in der den Rechtshändern vorbehaltenen.
Hungrig vor der Konservendose?
Wenn ich also diese Frage nicht genau zu beantworten weiß, so kann ich immerhin eines klar und deutlich sagen: Unter den ach so vielen Alltagsproblemen, mit denen Linkshänder sich angeblich so herumschlagen (Stichwort Dosenöffner, Füller, Schere), leide ich nicht einmal annähernd in dem Maße, wie es sich die meisten vorstellen. Abgesehen von den oft zu kurzen Strippen, an denen Kugelschreiber auf Ämtern hängen, habe ich weder mit Stiften noch mit anderen Gerätschaften besondere Probleme. Am Dosenöffner drehe ich eben auch mit rechts und mein Schriftbild ist - vorausgesetzt, ich habe Zeit und Muße - selbst mit Füller leserlich und gleichmäßig. Linkshänderfüller halte ich für Quatsch, wobei ich nicht für andere Linkshänder sprechen kann, die den Stift womöglich anders übers Blatt bewegen.
Linkspoot und glücklich dabei
Glücklicherweise ernte ich, wenn ich beim Schreiben beobachtet werde, eher staunende Blicke und Kommentare. An echte Diskriminierung kann ich mich nicht erinnern. Während man meiner Oma - ebenfalls Linkshänderin - in der Schule noch die linke Hand am Stuhl festband und sie zur Rechtsschreiberin umerzog, ließ man mich gewähren und nach einigen Tests auch in Ruhe. Ich weiß noch, dass ich bei einer Ärztin Ringe auf eine Stange werfen und zeigen musste, wie ich malte.
In der Schule schaute die Lehrerin genauer nach, wie ich mich beim Schönschreiben so machte. Besonders schlecht fiel ich dabei offenbar nicht auf, und irgendwann konnte ich auch meine Mutter davon überzeugen, dass ich mit jedem x-beliebigen Stift ebenso gut wie mit einem Linkshänderfüller zurecht komme.
Mit links austricksen
Dass das Linkspootsein auch Vorteile mit sich bringt, merkte ich vor allem, als ich begann, Volleyball zu spielen. Sehr zur Freude meines eigenen und zum Ärger des gegnerischen Teams konnte ich den einen oder anderen Ball oft an anderer Stelle platzieren als es eine rechtshändige Spielerin vielleicht getan hätte.
Alles in allem hat mich meine Linkshändigkeit nie eingeschränkt - jedenfalls so wenig, dass ich am Internationalen Tag der Linkshänder seit Langem überhaupt erst einmal wieder daran erinnert wurde.
(sh)
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