Der Spion Buchtipp: Anke Behrend „Fake Off!“

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Anke Behrend „Fake Off!“ Roman. (Röschen-Verlag, 2007)
22.08.2007

Anke Behrend legt mit "Fake Off" einen humorvollen Debütroman über das Kennenlernen im Internet vor.

Alex, selbstbewusst, gut aussehend, dynamisch und erfolgreich, sucht im Internet nach einem Partner. Ihre Mindestanforderungen: „Er soll größer sein als ein Hydrant und mit Messer und Gabel essen.“ Außerdem erwartet sie „Sauberkeit, sanierte Zähne, gesittete Tischmanieren, keine ungefragten Vorträge und sexuelle Basisfähigkeiten in Theorie und Praxis.“ Aufgrund ihrer Erfahrungen mit diversen Schaumschlägern und „Groberotikern“ fragt sie sich jedoch allmählich, ob dies schon zu viel verlangt ist. In Depressionen verfällt Alex trotz allem nicht. Für ernsthafte Verzweiflung ist sie viel zu stark und zuversichtlich.

Umso merkwürdiger, dass sie sich so lange an Roman aufhält, den sie als vermeintlich kreativen und überaus redegewandten „Listen2me“ in einer Community kennen gelernt hat. Am Telefon erfährt sie, dass er derzeit bei einem Kumpel wohnt, weil er angeblich gerade erst aus dem Ausland zurückgekehrt ist. Der ach so gebildete Kosmopolit hat also keine Wohnung, kein Geld, keine Arbeit und erst recht keine Lust, sich zu verändern. Dennoch spricht er unablässig davon, demnächst mehrere große Projekte zu starten. Nun ja. Beim ersten Treffen der beiden prahlt der unerträglich eitle Roman pausenlos von seinen intellektuellen Fähigkeiten. Erstaunlicherweise schießt Alex ihn aber nicht sofort in den Wind. Das ist eigenartig, stellt man sich als Leser doch schon lange die Frage, was eine Frau wie sie, die mit beiden Beinen fest im Leben steht, an so einem selbstverliebten Aufschneider eigentlich findet. Roman ist eine arme Wurst und kann ihr in keinster Weise das Wasser reichen. Das ist nicht erst ab hier offensichtlich.

Es gibt also ein weiteres Treffen. Roman besucht Alex in Leipzig, und hier treibt die Autorin, Anke Behrend, es mit seiner Widerlichkeit auf die Spitze: Der vermeintliche ‚Mann von Welt’ kennt weder ‚Bitte’ noch ‚Danke’ und lässt sich vollkommen ungeniert von Alex aushalten. Auf seine Eigenarten angesprochen wird er zum Choleriker par excellence und entpuppt sich außerdem als wahres Dreckschwein, das es mit der Körperhygiene nicht so genau nimmt. Von morgens bis abends sitzt er Kette rauchend vor dem Fernseher und mimt den Intellektuellen. Endlich erkennt Alex in ihm einen von diesen „selbsternannten Philosophen, die schiffbrüchig auf dem selbst gezimmerten Floß ihrer Erfolglosigkeit vor sich hin dümpeln, das zerfetzte Segelchen ihrer Bildung und Intelligenz vergeblich in die Flaute halten, abgerissen und vergammelt den am Horizont vorbeiziehenden weißblauen Luxuslinern ‚Abschaum!’ hinterher keifen“. Sehnsüchtig betet man, sie möge dieses unausstehliche Ekelpaket endlich rausschmeißen, mit einem „Showdown, der sich – im Gegensatz zu ihm – gewaschen hat.“

Natürlich übertreibt Anke Behrend maßlos, doch hat Übertreibung einen ganz entscheidenden Effekt: Sie macht anschaulich. So rufen ihre detaillierten Beschreibungen von Romans Verhalten regelrechte Hass- und Ekelgefühle hervor. Dass dieser Mann sich als Katastrophe erweist, ist allerdings von dem Moment an klar, in dem er auf der Bildfläche erscheint. Ebenso vorhersehbar ist, dass Alex mit ihm, selbst nachdem sie ihn abschießt, noch die ein oder andere Überraschung erleben wird. Zudem kommt die Autorin leider nicht ohne einige allzu abgedroschene Klischees aus. Ihre Protagonistin begibt sich nämlich Rat suchend zu ihrem besten Freund, der natürlich schwul ist und „nasal tuckt“, anstatt zu sprechen.

Trotz allem ist Anke Behrend ein amüsanter und leichtfüßiger Roman voller origineller Wortschöpfungen und Formulierungen gelungen. Fantasie und Einfallsreichtum beweist sie nicht nur in rein sprachlicher Hinsicht – gegen Ende nimmt ihr Buch Züge eines Krimis an, und immer wieder lässt sie einige von Alex’ teils albernen, teils feinsinnigen Visionen in die sonst so geradlinige Handlung einfließen. Genial ist zum Beispiel, wie Alex sich in Gedanken ausmalt, Roman würde bei einem Treffen der „Anonymen Akademiker“ sein Leid darüber klagen, dass sein Genie von seiner Umwelt völlig verkannt wird.

Die Internet-Komponente zieht sich wie ein roter Faden durch Behrends Text. Glaubwürdig gibt sie die Kommunikation in Communities wieder und spricht von Foren, Profilen, Nicknames und Fakes. Schlussendlich lässt sie ihre Hauptfigur zu einer grundlegenden und sehr wertvollen Einsicht gelangen, was das Kennenlernen von Menschen im Netz betrifft: „Das Wesen eines einzelnen Menschen findet man weder in seinen Worten im Chat oder am Telefon noch zwischen den Zeilen schwülstig-schwitziger Poesie. Man findet es in seinem Verhalten. Einzig in der Gesamtheit aus Wort und Tat“. Na dann!

Anke Behrend „Fake Off!“ Roman. (Röschen-Verlag, 2007)
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