Armines Blog
Thema G.Grass
Armine | 09.04.2012
25
3
\\\"Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.\\\"
Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst.
Weil er richtig ist.
Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt.
Darin liegt ein Einschnitt.
Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.
Jakob Augstein
Wie paranoid die Regierung und speziell der Innenminister traditionell auf Kritik an ihrer Politik reagieren:
Israel sei ein „kluges und sorgfältig abwägendes Regime, das auf seine Politik, Stärke und sein Judentum stolz ist“, sagte Jischai (israelischer Innenminister) den Angaben zufolge. „Wenn er (Grass) daran interessiert sein sollte, mit dem Schreiben antisemitischer Gedichte aufzuhören, werde ich ihm gerne in einem neutralen Land erklären, warum ein Mensch, der sich freiwillig zu den SS-Totenkopfverbänden unter der Leitung des Nazis Heinrich Himmler gemeldet hat, kein Recht hat, in das Land eines Volkes zu reisen, dessen Vernichtung er mitbetrieben hat.“
Jischai erklärte, sein einziger Fehler sei gewesen, dass er das Einreiseverbot gegen Grass nicht schon mit seinem Amtsantritt vor drei Jahren verhängt habe. Der Innenminister von der strengreligiösen Schas-Partei hatte Grass am Sonntag zur Persona non grata erklärt.
Der Typ reiht sich ein in die ziemlich lange Liste von Opfern, die zum Täter werden...
Wir die Netzkinder
Armine | 27.02.2012
5
0
Der Dichter Piotr Czerski beschreibt einmal was die Generation \\\"Netz\\\" so auszeichnet und wie es um das Lebensgefühl dieser Personen, die es betrifft, bestellt ist.
Es gibt wohl keinen anderen Begriff, der im medialen Diskurs ähnlich überstrapaziert worden ist, wie der Begriff “Generation”. Ich habe einmal versucht, die “Generationen” zu zählen, die in den vergangenen zehn Jahren ausgerufen worden sind, seit diesem berühmten Artikel über die sogenannte “Generation Nichts”. Ich glaube, es waren stolze zwölf. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie existierten nur auf dem Papier. In der Realität gab es diesen einzigartigen, greifbaren, unvergesslichen Impuls nicht, diese gemeinsame Erfahrung, durch die wir uns bleibend von allen vorangegangenen Generationen unterscheiden würden. Wir haben danach Ausschau gehalten, doch stattdessen kam der grundlegende Wandel unbemerkt, zusammen mit den Kabeln, mit denen das Kabelfernsehen das Land umspannte, der Verdrängung des Festnetzes durch das Mobiltelefon und vor allem mit dem allgemeinen Zugang zum Internet. Erst heute verstehen wir wirklich, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren verändert hat.
Wir, die Netz-Kinder; die mit dem Internet und im Internet aufgewachsen sind, wir sind eine Generation, welche die Kriterien für diesen Begriff gleichsam in einer Art Umkehrung erfüllt. Es gab in unserem Leben keinen Auslöser dafür, eher eine Metamorphose des Lebens selbst. Es ist kein gemeinsamer, begrenzter kultureller Kontext, der uns eint – sondern das Gefühl, diesen Kontext und seinen Rahmen frei definieren zu können.
Indem ich das so schreibe, ist mir bewusst, dass ich das Wort “wir” missbrauche. Denn unser “wir” ist veränderlich, unscharf, früher hätte man gesagt: vorläufig. Wenn ich “wir” sage, meine ich “viele von uns” oder “einige von uns”. Wenn ich sage “wir sind”, meine ich “es kommt vor, dass wir sind”. Ich sage nur deshalb “wir”, damit ich überhaupt über uns schreiben kann.
Erstens: Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders; das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir “surfen” nicht im Internet und das Internet ist für uns kein “Ort” und kein “virtueller Raum”. Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.
Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren “Bildungsroman” erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war. Wir haben online Freunde und Feinde gefunden, wir haben online unsere Spickzettel für Prüfungen vorbereitet, wir haben Partys und Lerntreffen online geplant, wir haben uns online verliebt und getrennt.
Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. Technologien entstehen und verschwinden in unserem Umfeld, Websites werden gebaut, sie erblühen und vergehen, aber das Netz bleibt bestehen, denn wir sind das Netz; wir, die wir darüber in einer Art kommunizieren, die uns ganz natürlich erscheint, intensiver und effizienter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.
Wir sind im Internet aufgewachsen, deshalb denken wir anders. Die Fähigkeit, Informationen zu finden, ist für uns so selbstverständlich wie für euch die Fähigkeit, einen Bahnhof oder ein Postamt in einer unbekannten Stadt zu finden. Wenn wir etwas wissen wollen – die ersten Symptome von Windpocken, die Gründe für den Untergang der Estonia, oder warum unsere Wasserrechnung so verdächtig hoch erscheint – ergreifen wir Maßnahmen mit der Sicherheit eines Autofahrers, der über ein Navigationsgerät verfügt.
Wir wissen, dass wir die benötigten Informationen an vielen Stellen finden werden, wir wissen, wie wir an diese Stellen gelangen und wir können ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Wir haben gelernt zu akzeptieren, dass wir statt einer Antwort viele verschiedene Antworten finden, und aus diesen abstrahieren wir die wahrscheinlichste Version und ignorieren die unglaubwürdigen. Wir selektieren, wir filtern, wir erinnern – und wir sind bereit, Gelerntes auszutauschen gegen etwas neues, besseres, wenn wir darauf stoßen.
Für uns ist das Netz eine Art externer Festplatte. Wir müssen uns keine unnötigen Details merken: Daten, Summen, Formeln, Paragrafen, Straßennamen, genaue Definitionen. Uns reicht eine Zusammenfassung, der Kern, den wir brauchen, um die Information zu verarbeiten und mit anderen Informationen zu verknüpfen. Sollten wir Details benötigen, schlagen wir sie innerhalb von Sekunden nach.
Wir müssen auch keine Experten in allem sein, denn wir wissen, wie wir Menschen finden, die sich auf das spezialisiert haben, was wir nicht wissen, und denen wir vertrauen können. Menschen, die ihre Expertise nicht für Geld mit uns teilen, sondern wegen unserer gemeinsamen Überzeugung, dass Informationen ständig in Bewegung sind und frei sein wollen, dass wir alle vom Informationsaustausch profitieren. Und zwar jeden Tag: Im Studium, bei der Arbeit, beim Lösen alltäglicher Probleme und wenn wir unseren Interessen nachgehen. Wir wissen, wie Wettbewerb funktioniert und wir mögen ihn. Aber unser Wettbewerb, unser Wunsch, anders zu sein, basiert auf Wissen, auf der Fähigkeit, Informationen zu interpretieren und zu verarbeiten – nicht darauf, sie zu monopolisieren.
Zweitens: Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag: die globale Kultur ist der Sockel unserer Identität, wichtiger für unser Selbstverständnis als Traditionen, die Geschichten unserer Ahnen, sozialer Status, die Herkunft oder sogar unsere Sprache. Aus dem Ozean der kulturellen Ereignisse fischen wir jene, die am besten zu uns passen, wir treten mit ihnen in Kontakt, wir bewerten sie und wir speichern unsere Bewertungen auf Websites, die genau zu diesem Zweck eingerichtet wurden und die uns außerdem andere Musikalben, Filme oder Spiele vorschlagen, die uns gefallen könnten.
Einige dieser Filme, Serien oder Videos schauen wir uns gemeinsam mit Kollegen an, oder aber mit Freunden aus aller Welt, unser Urteil über andere wird oft nur von einer kleinen Gruppe von Menschen geteilt, denen wir vielleicht niemals persönlich gegenüberstehen werden. Das ist der Grund für unser Gefühl, dass Kultur gleichzeitig global und individuell wird. Das ist der Grund, warum wir freien Zugang dazu brauchen.
Es bedeutet nicht, dass wir Zugang zu allen kulturellen Gütern verlangen, ohne dafür zahlen zu müssen – obwohl wir das, was wir selbst schaffen, meistens einfach nur in Umlauf bringen. Wir verstehen, dass Kreativität – trotz der zunehmenden Verbreitung von Technologien, mit denen jeder Mensch Film- oder Musikdateien in einer Qualität erstellen kann, die früher Profis vorbehalten war – immer noch Anstrengungen und Investitionen erfordert. Wir sind bereit zu zahlen, aber die gigantischen Aufschläge der Zwischenhändler erscheinen uns ganz einfach als unangemessen. Warum sollten wir für die Verbreitung von Informationen zahlen, die schnell und perfekt kopiert werden können, ohne den Wert des Originals auch nur um ein Jota zu verringern? Wenn wir nur die reine Information bekommen, verlangen wir einen angemessenen Preis. Wir sind bereit, mehr zu zahlen, aber dann erwarten wir auch mehr: eine interessante Verpackung, ein Gadget, höhere Qualität, die Option, es hier und jetzt anzuschauen, ohne warten zu müssen, bis die Datei heruntergeladen ist. Wir können durchaus Dankbarkeit zeigen und wir wollen den Künstler belohnen (seit Geld nicht mehr aus Papier besteht, sondern aus eine Reihe von Zahlen auf einem Bildschirm, ist das Bezahlen zu einem eher symbolischen Akt geworden, von dem eigentlich beide Seiten profitieren sollen), aber die Verkaufsziele irgendwelcher Konzerne interessieren uns kein bisschen. Es ist nicht unsere Schuld, dass ihr Geschäft in seiner traditionellen Form nicht mehr sinnvoll ist und dass sie, anstatt die Herausforderung zu akzeptieren und zu versuchen, uns mit etwas zu erreichen, das uns mehr bietet als wir umsonst haben können, entschieden haben, ihre veralteten Lösungen zu verteidigen.
Noch etwas: Wir wollen nicht für unsere Erinnerungen bezahlen. Die Filme, die uns an unsere Kindheit erinnern, die Musik, die uns vor zehn Jahren begleitet hat: In einem externen Netzgedächtnis sind sie einfach nur Erinnerungen. Sie hervorzurufen, sie auszutauschen, sie weiterzuentwickeln, das ist für uns so normal wie für euch die Erinnerung an Casablanca. Wir finden im Netz die Filme, die wir als Kinder gesehen haben und wir zeigen sie unseren Kindern, genauso wie ihr uns die Geschichte von Rotkäppchen oder Goldlöckchen erzählt habt. Könnt ihr euch vorstellen, dass euch jemand deswegen anklagt, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben? Wir auch nicht.
Drittens: Wir sind es gewohnt, dass unsere Rechnungen automatisch bezahlt werden, so lange unser Kontostand es erlaubt. Wir wissen, dass wir nur ein Online-Formular ausfüllen und einen Vertrag unterschreiben müssen, den uns ein Kurier liefert, wenn wir ein Konto eröffnen oder den Mobilfunkanbieter wechseln wollen. Dass sogar ein Kurztrip auf die andere Seite von Europa inklusive Stadtrundfahrt innerhalb von zwei Stunden organisiert werden kann. Deshalb sind wir, als Nutzer des Staates, zunehmend verärgert über seine archaische Benutzeroberfläche. Wir verstehen nicht, warum wir für die Steuererklärung mehrere Formulare ausfüllen müssen, von denen das zentrale mehr als einhundert Fragen beinhaltet. Wir verstehen nicht, warum wir einen festen Wohnsitz (absurd genug, so etwas überhaupt haben zu müssen) erst förmlich abmelden müssen, bevor wir uns an einem anderen anmelden können – als könnten die Behörden diese Sache nicht auch ohne unser Eingreifen regeln.
In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt, verwurzelt in der Distanz zwischen dem einsamen Bürger und den majestätischen Höhen, in denen die herrschende Klasse residiert, kaum sichtbar da oben in den Wolken, den haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. Wir sind es gewohnt, das Gespräch mit fast jedem suchen zu dürfen, sei er Journalist, Bürgermeister, Universitätsprofessor oder Popstar, und wir brauchen keine besonderen Qualifikationen, die mit unserem sozialen Status zusammenhängen. Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird. Und da wir, dank Zusammenarbeit, ständigem Streit und dem Verteidigen unserer Argumente gegen Kritik das Gefühl haben, dass unsere Meinungen einfach die besseren sind, warum sollten wir dann keinen ernsthaften Dialog mit der Regierung erwarten dürfen?
Wir fühlen keinen religiösen Respekt für die “demokratischen Institutionen” in ihrer derzeitigen Form, wir glauben nicht an ihre unumstößliche Rolle, wie es diejenigen tun, die alle “demokratischen Institutionen” als Denkmäler betrachten, die sie selbst bauen und die zugleich für sie selbst gebaut werden. Wir brauchen keine Denkmäler. Wir brauchen ein System, das unsere Erwartungen erfüllt, ein transparentes und funktionierendes System. Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird, durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.
Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Informationen und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen.
Vielleicht haben wir noch keinen Namen dafür, vielleicht sind wir uns dessen noch nicht vollständig bewusst, aber wahrscheinlich ist das, was wir wollen, eine wahre und tatsächliche Demokratie. Eine Demokratie, wie sie sich vielleicht nicht einmal eure Journalisten erträumt haben.
Wassermann
Armine | 27.01.2012
4
1
Mit verblüffenden Leidenschaftsausbrüchen, mit heißen Liebesschwüren, mit Tränenfluten, gefühlsgeladenen Beschuldigungen und temperamentvollen Versöhnungsversuchen sollten sie ihn jedenfalls nicht konfrontieren - er versteht dergleichen nämlich nicht.
\"Liebe\" ist für ihn mehr ein zärtliches Einander-Amüsieren als ein wildes Einander-Zerfleischen, mehr eine vernünftige Kameraderie als eine schicksalhafte Abhängigkeit.
Besitzgier - nein, die kennt er nicht. Der Wassermann will weder Menschen noch Dinge zu seinem unumschränkten Eigentum machen. Deshalb werden Sie kaum erleben, daß er sich wie Othello gebärdet. Er erwartet, daß Sie ihm möglichst viel Freiheit lassen, und wird daher auch Sie nicht anzuketten versuchen. Eifersucht ist ihm fremd. Er will Sie nicht mit Beschlag belegen. Außerdem ist sein Selbstbewußtsein viel zu stark entwickelt, daß er in Alarmstimmung geriete, wenn er merkt, wie Sie sich mit einem anderen Mann angeregt unterhalten....
Das heißt natürlich nicht, daß es dem Wassermann-Partner schnurzegal ist, was sie treiben. Auch der Wassermann wünscht gewissen Spielregeln eingehalten zu sehen. Wie diese Spielregeln ausschauen sollen, müssen Sie im - möglichst leidenschaftslosen - Gespräch mit ihm herausfinden, sie können von Fall zu Fall recht verschieden sein und dürften sich fast immer ganz erheblich von dem unterscheiden, was die Gesellschaft konventionellerweise für richtig und notwendig hält.
Wenn Sie selbst sich nicht an diese ausgehandelte Spielregeln halten, laufen sie Gefahr, Ihren Wassermann-Mann zu verlieren. Er ist nicht von der Sorte, die an der Partnerin klebt wie eine Klette. Er ist auch keiner von den Männern, die immer wieder zur Partnerin zurückkehren, weil sie zwar nicht mit ihr, aber auch nicht ohne sie leben können.
Der Wassermann-Mann kann - bei aller Liebe zu Ihnen - durchaus ohne Sie existieren. Er kennt keine Abhängigkeiten und ist flexibel genug, um immer wieder neu anzufangen. Daher wird er sich, wenn es ihm notwendig erscheint, von Ihnen trennen und seinen Entschluß nicht wieder rückgängig machen. Nicht etwa, weil sein Stolz ihn daran hinderte, obwohl ihm das Herz beim Gedanken an Sie nach wie vor weht tut - nein, einfach weil er nicht mehr an Sie denkt, wenn er sich von Ihnen getrennt hat. Er kann Sie auch vergessen, wenn ihm das unumgänglich nötig scheint.
Das klingt, zugegeben, hart, hat aber auch seine positiven Aspekte. Wenn ein Wassermann bei Ihnen ausharrt, dann können Sie einigermaßen sicher sein, daß er Sie rundherum akzeptiert - während ein anderer Mann möglicherweise nur mit Ihnen zusammenbleibt, weil er zu bequem ist, sich umzustellen, obwohl er Ihnen längst nicht mehr sonderlich zugeneigt ist.
FDP-Hasser
Armine | 01.02.2011
7
0
Kennen Sie das?
Sie sitzen bei einem Vorstellungsgespräch, es läuft gut, Sie punkten mit jedem Satz und die Stelle ist Ihnen so gut wie sicher. Doch dann schreien Sie bei der Verabschiedung ganz unverhofft “Verrecken sollst du, Westerwelle! Verrecken!”. Und das war’s dann mit dem Job. Niemand möchte schließlich einen hasserfüllten Choleriker einstellen.
Was jedoch im ersten Moment wie das Anzeichen auf eine sich anschleichende Tourette-Erkarnkung aussieht, ist in Wahrheit eine gefährliche, selbstzerstörerische krankhafte Abhängigkeit, ähnlich dem Alkoholismus. Die Rede ist vom FDP-Hass. Genauer handelt es sich dabei um eine progressive Krankheit, in deren Verlauf sich eine tiefe Abneigung gegen FDP-Politiker zum lebensbestimmenden Inhalt entwickeln kann. Typische Symptome sind der Zwang zum Beleidigen und Verfluchen, einhergehend mit fortschreitendem Kontrollverlust, Vernachlässigung früherer Interessen zugunsten des Verunstaltens von FDP-Plakaten und des Verfassens von Hassbriefen sowie natürlich das Leugnen der Krankheit. Gesellschaftliche Isolation, Tod und sogar der Eintritt in die Linkspartei können die Folgen sein.
Der FDP-Hass kann bereits durch den regelmäßigen Konsum vereinzelter Nachrichtenmeldungen über die FDP beginnen. Dabei fallen die Betroffenen nicht grundsätzlich durch Wutausbrüche und Ausrufe wie “Wer hat die Penner denn überhaupt gewählt?!” auf. Die Krankheit ist nämlich nicht immer nach außen hin bemerkbar. Der spätere FDP-Hasser empfindet zwar generell eine tiefe Befriedigung in seinen Hassmomenten, er kann diese jedoch ebenso still im Verbrogenen ausleben. Beispielsweise mit einer geheimen Todesliste, die er regelmäßig um weitere FDP-Politiker erweitert, oder indem er FDP-Infoblätter anstelle von Toilettenpapier verwendet.
Doch es gibt Hoffnung: Die deutschen Krankenkassen übernehmen seit neustem die Kosten für die Entziehungskur, wenn man freiwillig der Selbsthilfegruppe der anonymen FDP-Hasser beitritt. Sollten Sie nach vier Wochen glaubwürdig aussagen können, dass Sie Guido Westerwelle nicht umbringen wollen, haben Sie bereits einen wichtigen Beitrag zu Ihrer Genesung geleistet.
Doch wie immer beginnt der erste Schritt in diese Richtung mit der Einsicht. Sie müssen zunächst zugeben, dass Sie die FDP hassen. Erst dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Versuchen Sie es. Nicht nur Ihnen selbst sondern auch Ihren Mitmenschen zuliebe. Lassen Sie sich nicht vom FDP-Hass das Leben zerstören.
Viel Glück.





